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1887
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VERZEICHNIS
DER
DOCTOREN
WELCHE
< DIE PHILOSOPHISCHE FACULTÄT
DER
KÖNIGLICH WÜRTTEMBERGISCHEN EBERHARD-KARLS-UNIVERSITÄT
IN TÜBINGEN
IM DECANATSJAHRE 1886 -1887
ERNANNT HAT.
BEIGEFUGT IST EINE ABHANDLUNG :
OXFORDER BENEDICTINERREGEL
HERAUSGEGEBEN
DR. EDUARD SDÜVERS
ORDENTLICHEM PROFESSOR DER GERMANISCHEN PHILOLOGIE
- K===r33og:cS5=:=3S
TUBINGEN
L. FR. FUES'SCHE BUCHDRUCKEREI
(FUES & KOSTENBADER)
1887.
Unter dem Decanat des Professors Dr. Eduard Sievers 1886/1887
wurden unter 43 Bewerbern folgende 28 zu Doctoren der Philosophie
ernannt :
Friedrich Christoph aus Regensburg
Friedrich Hefti aus Bempflingen .
Karl Bohnenberger aus Riedbach .
Heinrich Savelsberg aus Aachen .
Ernst Kapff aus Sanct-Gallen . .
Martin Hoppe aus Collmen ...
Richard Graupe aus Reinickendorf
Karl Heinrich Grotz aus Münsingen
Ernest Chatelanat aus Begnins
Karl Josef Späth aus Aulendorf
Friedrich Paret aus Möckmühl
Maximilian Schnepf aus Rohrenfel
Heinrich Adams aus Göppingen
Otto Köhler aus Ringelheim .
Theodor Saarmann aus Hoerde . «
Johannes Käselitz aus Hornburg
Georg Abegg aus Rüppur . .
Ernst Wetzstein aus Damascus
Karl Kieser aus Winnenden
13. Mai.
13. Mai.
27. Mai.
27. Mai.
8. Juli.
22. Juli.
22. Juli.
29. Juli.
29. Juli.
7. August.
12. August.
12. August.
12. August.
13. August.
2. December.
2. December.
16. December.
16. December.
16. December.
1887
Nicolaos G. Philippides aus Milorista 3. Januar.
Bernhard Haeeing aus Bubsheim 13. Januar.
Friedrich Lauer aus Schussenried '..... 13. Januar.
Eduard Teichmann aus Niederorschel 17. Februar.
Josef Roth aus Steinbach 3. März.
Max Ziegler aus Stuttgart 3. März.
Hugo Richter aus Stuttgart 3. März.
Hermann Losch aus Murrhardt 15. März.
Wilhelm Wendlandt aus Tranquebar 21. März.
Erneuert wurden die vor fünfzig Jahren erteilten Doctordiplome
den Herren Gustav Weil in Heidelberg am 1. Juli 1886, Gustav Peizer in
Stuttgart und Adolph Poppe in Würzburg am 11. Juli 1886, Jacob Auerbach
in Frankfurt a/M. am 21. Juli 1886, Eduard Zeller in Berlin am 25. August
1886. — Honoris causa wurde zum Dr. philos. ernannt der Baron Antonio
Manno in Turin, am 23. Juli 1886.
OXFORDER BENEDICTINERREGEL
HERAUSGEGEBEN
Eduard Sievers.
13er Sammelband Cod. Laud. Mise. 237 der Bodleiana zu Oxford, der
sich aus Stücken des zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts zusammensetzt,
enthält als ersten Abschnitt die nachfolgend mitgeteilte Bearbeitung der
Benedictinerregel für Nonnenklöster. Den gesammten Inhalt des Codex ver-
zeichnet H. Coxe, Catalogus codicum manuscriptorum bibliothecaeBodleianaell, 1
(Qxonii 1858), 200 ff. An Deutschem enthält die Handschrift ausser unserm
Texte, der von einer Hand des vierzehnten Jahrhunderts geschrieben ist, nur
noch den in Müllenhoff und Scherer's Denkmälern2 626 gedruckten Judeneid '),
und auf den Rändern von Blatt 205b und 2io,b — 222a Bruchstücke ver-
schiedener, teils sachlich, teils alphabetisch geordneter lateinisch-deutscher
Vocabularien. Von allen diesen Stücken habe ich im Winter 1870 Abschrift
genommen 2).
In dem folgenden Abdruck ist die handschriftliche Lesung im allgemeinen
getreu wiedergegeben, bis auf die stillschweigends durchgeführte Regelung der
u und v, i und j sowie der Interpunction, und die Hinzufügung der im
Originale mangelnden Capitelzahlen am Rande. Alle andern Abweichungen
sind ausdrücklich verzeichnet. Meist betreffen dieselben Störungen des Sinnes,
doch habe ich zur Bequemlichkeit des Lesers auch hie und da orthographische
Eigentümlichkeiten, die auf den ersten Blick einen lästigen Anstoss bieten
könnten, in die Noten verwiesen, natürlich ohne sie dadurch als 'Fehler' be-
zeichnen zu wollen. Fetter Druck deutet Rotschrift an, aufgelöste Ab-
kürzungen sind durch Cursivschrift ausgezeichnet. Ganze Wörter in Cursiv
sind von mir ergänzt.
Unsere Bearbeitung gibt die Regel nicht in ihrem ganzen Umfang wieder.
Von den Capiteln 8 — 19, welche von den Bestandteilen, der Einteilung und
der Zeit des Chorgebetes handeln, ist nur das allgemeiner gehaltene Capitel 16
aufgenommen (vgl. J. B. Troxler im Geschichtsfreund xxxix, 7 über Ähn-
1) In den Denkmälern2 625 f. versetzt Scherer die Laudsche Handschriftensammlung irrig
nach London.
2) Aus dieser stammen auch die Citate bei Lexer Bd. II f. (Ebenda II, V ist im Quellen-
verzeichnis 'cod. Lund.' in 'cod. Laud.' zu bessern).
A*
liches in der Engelberger Regel und sonst). Ausserdem fehlen, als für Nonnen-
klöster nicht geeignet, die Capitel i: De generibus monachorum, 60: De
sacerdotibus qui in monasterio habitare voluerint, und 62 : De sacerdotibus
monasterii. Capitel 37 erscheint, nicht einmal durch einen grossen Anfangs-
buchstaben ausgezeichnet, als Anhang zu Capitel 36.
Die Uebersetzung ist ziemlich ungelenk und häufig schleppend. Es mag
auch hier eine alte interlineare Uebersetzung zu Grunde liegen (vgl. Schönbach
in den Wiener Sitzungsberichten XCVIII, 973. 977). Ob unser Text direct
nach dem Lateinischen gearbeitet ist, oder etwa eine Umarbeitung einer älteren
deutschen Fassung für Mönchsklöster darstellt, wird sich schwerlich entscheiden
lassen. Auf das einmalige munche 22, 14 hin möchte ich jedenfalls die letztere
Ansicht nicht bestimmt vertreten. Sicherlich aber ist unsere Handschrift nicht
Original ; darauf deuten die ziemlich zahlreichen Fehler, welche sich nur durch
"Verlesen einer schriftlichen Vorlage erklären lassen, namentlich die mehrfachen
wan die für wände 26, 11. 36, 26. 37, 4, oder des bozen für der bnzen 6, 14,
worte der heiigen für vorte der hellen 8, 1, oder bygen für äugen 30, 28, wo
die Vorlage doch wol die Form oygen darbot. Ebenso auch das Neben-
einander verschiedener Dialektformen, wie vorteil und vochten für 'fürchten',
das in einem Original nicht wol denkbar ist.
Nähere Beziehungen zu den sonst bekannten Verdeutschungen der Regel
fehlen ; dergleichen directe Hinweise auf den Ursprung unseres Textes. Doch
lässt sich derselbe mit ziemlicher Sicherheit feststellen.
Eine Durchsicht des Verzeichnisses der Laud'schen Handschriften ergibt,
dass wesentlich drei deutsche Orte zu dem Bestände der Sammlung bei-
gesteuert haben: Würzburg, Mainz und Eberbach (jetzt Erbach) im Rhein-
gau J); vereinzelt begegnen ausserdem Worms (Mise. 519), Nürnberg
1) Aus Würzburg stammen laut handschriftlichen Vermerken die Codices Lat. 41. 42. 92.
96. 100. 101. 115. Mise. 92. 96. 120. 124. 126. 135. 139. 256. 271. 275. 341. 425. 638. Das
Karthäuserkloster auf dem Michelsberg bei Mainz hat geliefert die Nummern Lat. 23 — 25. 29. 30,
37 (zweite Hälfte). 40. 110. Mise. 22. 32. 41. 44. 68. 69 (erste Hälfte). 75. 80. 81. 87. 103
113. 116. 142. 173. 179. 181. 183 — 186. 189 — 192. 195.- 203. 208. 221. 224. 227. 228. 312
3!3- 3'7- 318-320. 323—325. 348. 352. 369. 378. 380. 386. 387. 390. 400. 405. 40S. 410
411. 456- 472- 473- 477- 478. 53°- 540. 555. 574. 584- 629 (erste Hälfte). 650. 677. 738
sammen 85). Als erbachisch sind beglaubigt die Codices Lat. 14. 20. 27. 32. 37 (erste Hälfte)
47. 97. 105. 107. Mise. 69 (zweite Hälfte). 72. 88. 89. 102. 107. 125. 130. 132. 133. 137.
141. 143- 146. 147- 150- 158. 220. 230. 234. 236. 251. 265. 278. 287. 293. 294. 307. 346. 350.
377- 379- 396. 43°- 431- 437- 462- 502. 510. 541. 561. 562. 604. 629 (zweite Hälfte). 721. 727
736, zusammen 56 Nummern.
(Mise. 199), Engelszeil (Mise. 175. 272), Pöhlde (Mise. 633). Von diesen
können aus sprachlichen Gründen nur Mainz und Eberbach in Betracht
kommen; allenfalls Worms, doch wäre auch dies für den Dialekt unserer
Handschrift wol etwas zu südlich. Wiederum verbietet sich die Anknüpfung
einer Nonnenregel an das Mainzer Karthäuserkloster von selbst, da Kar-
thäuserinnen in Deutschland nicht vorkommen. Dagegen stimmt alles vor-
trefflich bei der altberühmten Cistercienserabtei Eberbach, die seit der Mitte
des dreizehnten Jahrhunderts an zwanzig Frauenklöster unter ihrer Oberauf-
sicht vereinigte: Altemünster, Weissenfrauen, S. Agnesen , Marien-Dalheim in
und bei Mainz, Gottesthal, Aulenhausen oder Marienhausen und Tiefenthal im
Rheingau, Gnadenthal im Unterlahngau, Marienmünster bei Worms, Marien-
kron, Rosenthal, S. Johann, Sion, Comeda, Katharinenthal bei Kreuznach,
Weydas und Deynbach in der Pfalz ').
Ueber die Wegführung der ungemein reichhaltigen Klosterbibliothek von
Eberbach im dreissigjährigen Krieg sind wir durch die Mitteilungen unter-
richtet, welche S. Widmann in den Annalen für nassauische Altertumskunde
und Geschichtsforschung XVII (1882), 2, 31 aus Pater Bär's handschriftlicher
Abtschronik gegeben hat. Glücklicherweise aber besitzen wir noch ein älteres
wertvolles Zeugnis über den Bestand der Sammlung. Das als Oculus memoriae
bekannte Copialbuch von Eberbach enthält in seinem zweiten Teile ein aus-
führliches Verzeichnis der Handschriften , welches im Jahr 1 502 unter Abt
Martin Rifflinck von Boppard aufgenommen ist (K. Rössel, Urkundenbuch der
Abtei Eberbach I, Wiesbaden 1862, S. Vii; vgl. auch S. Widmann a. a. O.).
Dank der Liberalität der Direction des Königlichen Staatsarchivs zu Wies-
baden, welchem der zweite Teil des Oculus memoriae jetzt angehört, ist es
mir möglich gewesen, dieses Verzeichnis hier genau durchzugehen. Dasselbe
umfasst nicht weniger als 753 Nummern. Die Handschriften waren in zwei
Säle verteilt 2), eine liberaria maior und eine liberaria minor. Innerhalb jedes
1) Der Liste von H. Bär, Diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach im Rheingau II
(Wiesbaden 1858), 155 habe ich oben das Kloster Gnadenthal eingefügt aufGrund der im Anhange
abgedruckten Eberbacher Visitationsurkunde über dies Kloster vom Jahre 1458, welche in dem aus
Eberbach stammenden Cod. Laud. Mise. 132 eingeheftet ist. G. Jongelin, Notitia abbatiarum
ordinis Cistertiensis II, 42 ff. nennt ausserdem noch 'Vallis Angelorum iuxta Ingelheim ... et alia
plura quae ad notitiam meam nondum devenerunt.' Genaueres wird wol erst der zweite Theil von
L. Janauschek's Origines Cistercienses bringen (ebenda I, 21 die Literatur über Eberbach bis zum
Jahre 1877).
2) Rössel gibt a. a. O. irrtümlich an, das Verzeichnis enthalte Blatt 107 — 11 1 die 'Bibliotheca',
Saales waren die Handschriften sachlich geordnet, ihre Plätze durch Buchstaben
und Ziffern (Ai, A2 etc.) bezeichnet. Die grössere Bücherei enthielt 504 Hand-
schriften, verteilt auf 24 Ordines (die Buchstaben A bis Z und ein am Schluss
angefügtes Zeichen, das etwa wie ein nach links gekehrtes F aussieht); die
kleinere ist im Verzeichnis nur mit 8 Ordines (A — H) vertreten. Das Register
selbst bricht am Schlüsse von H mitten auf einer Spalte ab ohne irgend ein
Schlusszeichen, und es folgt noch ein leeres Blatt. Es ist also wol möglich,
dass das Verzeichnis nicht vollständig ist. Ob S. Widmann, der am an-
geführten Orte das Register schlechthin 'unvollendet geblieben' nennt, für
diese Ansicht noch andere Gründe gehabt hat, weiss ich nicht.
Unsere Regel findet sich nun freilich in dem Verzeichnis nicht. Das
darf aber auch nicht Wunder nehmen. Abgesehen davon, dass eine Nonnen-
regel, wenn auch in Eberbach entstanden, doch schwerlich zu dauernder Auf-
bewahrung in der Bibliothek niedergelegt worden wäre, fehlt in dem Ver-
zeichnis auch jeder Nachweis über vorhandene Exemplare des lateinischen
Originals, welches das Kloster doch besessen haben muss. Stücke, welche
wie die Ordensregel zum täglichen Hausgebrauch bestimmt waren, werden
eben in Eberbach so wenig wie anderswo den für das gelehrte Studium be-
stimmten Bücherschätzen eingereiht worden sein.
Dagegen ist ein grosser Teil des übrigen Inhaltes unserer Handschrift,
die bereits oben als Sammelband bezeichnet wurde, in dem Eberbacher Catalog
vertreten. No. 2, ein Elucidarius, erscheint, freilich ohne die folgenden
kleineren Stücke 3 — 5, unter S 11 der grösseren Bücherei als Lucidarius.
Initiiim: Sepius rogatus a condiscipulis. Ferner finden wir No. 6, Excerpte
aus den Vitaepatrum, alsT6: Exccrpta de vitas patrum. Item omelia
Innocentü pape ad religiosos et quedam alia. Initium: Interrogavit quidam
abbatein . No. 7 — 11, welche nach dem Oxforder Catalog einen ursprünglich
Bl. III — 113 'Libri diversarum facultatum'. Der wahre Sachverhalt ergibt sich aus den beiden
Ueberschriften Bl. 107 und luv. Die erstere lautet: Libri diversarum facultatum una cum diversis
traetatibus sanetorum eximiorumque doctorum sicut infra offendes ordinati et locati sunt in liberaria
maiori, seeundum ordinem alphabeti numero eifare cuilibet apici adiecto, industria exaetoque labore
devotorum et religiosorum fratrum Nicolai de Altavilla supprioris et Johannis de Sancto Goare cap-
pellani abbatis , artium liberalium determinatorii, tempore regiminis reverendi in Christo patris et
domini, domini Martini dicti Rifflinck de Bopardia, huius monasterii Ebbirbacensis abbatis numero
vicesimi quarti, anno salutis millesimo quingentesimo seeundo. Laus deo, ast eius genetrici haut
nee advocatisse Katherineque. amen. Die zweite lautet wörtlich ebenso, nur dass es statt liberaria
maiori nun liberaria minor! heisst und die Namen der beiden Bearbeiter fortgelassen sind.
selbständigen Teil des Bandes bilden (es sind die Blätter 168 — 202), vermag
ich in dem Eberbacher Catalog nicht nachzuweisen. Dagegen waren die
Stücke 12 — 14, des Johannicius Isagoge in Galeni artem minorem, Hippo-
crates' Aphorismen und Prognosticorum liber, in gleicher Reihenfolge auch
in Eberbach vorhanden. Die Handschrift P 21 enthielt Isagoge Johannicii
tegni Galieni. Item commentum vale (?) super tegni. Item liber amphoris-
morum. Item regimentum acutorum. Item commentum pronosticorum.
Initium: Medicina dividitur. No. 15, Theophili Protospatharii de urinarum
differentia liber, fehlt wieder, könnte aber leicht in einem der andern medi-
cinischen Codices enthalten gewesen sein, deren die Ordines P und Q der
liberaria maior eine ganze Anzahl enthalten, z. B. P 3 Ysagogici Johannici
tegni Galieni et quedam alia medicinalia. Initium: Medicina dividitur in
duas partes, oder P 5: Liber medicinarum. Initium: Incipiunt p'sagoge (?)
Johannicii, oder Q 8 : Breviarium mediane. Initium: Quicquid ait Tttllius.
No. 16, eine Brandanlegende , kehrt wieder in der Handschrift G 22 der
kleineren Bibliothek: Gesta Barlaam et Josaphat. Item navigatio sancti
Brandani. Item Hilarius de fide. Item (Iter Hs.J liber Hilarii ad Constan-
tinum imperaiorem. Initium: Cum cepissent monasteria. Das letzte Stück
endlich, De inventione capitis sancti Johannis Baptistae, kann ich wieder nicht
nachweisen.
Dass die hier als übereinstimmend hervorgehobenen Stücke identisch
gewesen, lässt sich natürlich nicht behaupten. Der Oxforder Catalog zerlegt
die Handschrift in 4 einst getrennte Stücke, deren zweites den Handschriften
S 11 und T 16 entsprechen müsste, während das vierte den Hauptinhalt von
P 21 und ein vereinzeltes Stück des Inhaltes von G 22 der kleineren Bibliothek
darbietet. In der Oxforder Handschrift erscheint also untrennbar vereinigt,
was in Eberbach getrennt war, und ebenso findet sich in den einzelnen Ab-
schnitten resp. Handschriften ein Mehr des Inhalts bald auf der einen, bald
auf der andern Seite. Immerhin bleibt das Zusammentreffen so vieler Stücke
auffallend. Insbesondere möchte ich dabei nochmals die gleiche Reihenfolge
der medicinischen Schriften 12 — 14 betonen. Einen Zusammenhang irgend
welcher Art wird man also nicht ableugnen mögen. Derselbe kann freilich
verschiedener Art gewesen sein. Ich sehe dabei ab von der angedeuteten
Möglichkeit, dass der Bestand der kleineren Bibliothek nur unvollständig auf-
gezeichnet ist, denn ich halte es nicht gerade für wahrscheinlich, dass z. B.
neben den 5 Exemplaren der Isagoge des Johannicius, welche der Eberbacher
Catalog in der grösseren Bibliothek aufweist (Handschrift P 3, P 5, P 18, P 21,
Q 7), ein der Handschrift P 21 wesentlich gleiches Exemplar auch noch in
der kleinen Bibliothek vorhanden gewesen sei. Vielmehr möchte ich eher
glauben, dass unsere Handschrift Doubletten enthielt, welche dem Kloster, für
welches die Nonnenregel bestimmt war, zum Gebrauche überlassen waren und
später, nach dem Entstehungsjahre des Eberbacher Catalogs, in den Besitz
von Eberbach zurückgelangten. Es ist mir diese an sich gewiss nicht allzu nahe
liegende Annahme deswegen glaublicher, weil eine andere Handschrift der
Sammlung ein gleiches Geschick gehabt zu haben scheint, die bereits oben
S. V erwähnte Handschrift Mise. 132, welche Augustin's Enarratio in Psalmos
CXVIII— CXXXIII enthält, und offenbar mit dem Codex B 11 der kleineren
Bibliothek identisch ist. Dieselbe trägt auf Bl. i* die Aufschrift Liber sanete
Marie virginis in Everbach. Concessus sanetimonialibus in Dalen (nicht con-
cessis und in Duley, wie Coxe druckt). Die Handschrift war also mindestens
zeitweilig im Besitz des Klosters Dalheim (oben S. v), und doch erscheint
sie mit den übrigen Eberbacher Handschriften in Oxford. Soll man nun an-
nehmen, dass auch die Bibliothek des Dalheimer Klosters gleichzeitig mit der
von Eberbach und der des Karthäuserklosters geplündert worden ist? Möglich
ist das gewiss, aber die andere Annahme scheint doch näher zu liegen. Ent-
scheiden würde sich die Frage eher, wenn das Alter jener Aufschrift fest-
stünde. Denn aus dem Umstände, dass der Handschrift eine für Gnaden-
thal, nicht Dalheim, bestimmte Eberbacher Urkunde von 1458 vorgebunden
ist, muss doch (vorausgesetzt dass diese Vereinigung von Urkunde und Hand-
schrift alt ist) geschlossen werden, dass sie nach jener Zeit noch oder wieder
in Eberbach war und dass sie dort mindestens bis zum Jahre 1502 verblieb,
wo sie in den Eberbacher Catalog aufgenommen wurde. Aber leider gibt
weder Coxe etwas über diesen Punkt an, noch habe ich mir selbst seiner
Zeit darüber eine Notiz gemacht. Hier wird, wie bezüglich des Codex 237,
erst eine erneute Untersuchung ein sichereres Urteil gestatten. Für die Frage
nach der Herkunft unserer Regel ist es übrigens ziemlich gleichgültig, wie
die Handschrift in den Besitz des Erzbischofs Laud gekommen ist, wenn einmal
die Beziehung zu Eberbach feststeht oder sich wahrscheinlich machen lässt.
Auch darüber, wie und wann die vier Stücke der Handschrift 237 zu-
sammengekommen sind, wird sich kaum etwas Genaueres ermitteln lassen.
Der dritte Abschnitt, dessen Inhalt sich in der Eberbacher Bibliothek nicht
nachweisen lässt, könnte allenfalls erst in England eingefügt sein. Denn ganz
gewöhnlich sind ursprünglich getrennte Handschriften jetzt in der Laud'schen
Sammlung zusammengebunden. So enthält der Codex Lat. 20 die Handschriften
D 37 und A 15 der kleineren, Lat. 107 die Handschriften A 5 der kleineren
und D 6 der grösseren, Mise. 88 die Handschriften D 24 der kleineren und
H 14 der grösseren Bibliothek, u. s. w. Ja es fehlt nicht an Beispielen, dass
Eberbacher Handschriften mit solchen aus dem Mainzer Karthäuserkloster
vereinigt sind (Lat. 37. Mise. 69. 629).
Ich halte es hiernach für sehr wahrscheinlich, dass unsere Übersetzung
auf Eberbach oder doch auf den mit diesem verbundenen Kreis von Frauen-
klöstern zurückgeht. Nur wird man aus sprachlichen Gründen die südlicheren
von diesen wieder ausschliessen müssen. Soweit sich überhaupt hier Grenzen
ziehen lassen, trägt unser Text das Gepräge der Sprache des südlichen
und mittleren Nassau.
Eines der charakteristischesten Wörter unseres Textes ist das Wort
oder. Neben dieser häufig belegten schriftdeutschen Form stehen weiterhin
aber 4, 24. 38, 1, abc 32, 22. 35, 6. 37, 25, obe 8, 1. 17, 14. 19, 3. 24, 18.
25, 3 (2). 10 (2). 33, 16. 34, 6. 11. 35, 1. 7. 36, 22. 39, 3. 4. 7. 25, ob 33, 5.
35, 7. 36, 29 (2). 37, 9. 19. 27. 38, 13. 25. 39, 25 (2), obir 2, 13, ober 3, 28 (2).
15, 8 (2). 17, 21. 24, 2. 25, 8 (2). 9 (3). 29, 20. 35, 25. Von diesen sind abe, ob,
obe, ober, obir meines Wissens bisher nicht nachgewiesen. Sie sind auch ur-
kundlich sehr selten und mir nur in Nassau und der Wetterau begegnet.
Ein obir neben mehreren obe zeigt eine katzenellenbogische Urkunde von 13 18
bei Wenck I, 141 (hernach herscht in Katzenellenbogen das schriftdeutsche
oder); ein obe eine vermutlich in Runkel a. Lahn ausgestellte Urkunde Hein-
rich's von Westerburg bei J. G. Lehmann, Geschichte der Dynasten von
Westerburg (Wiesbaden 1866), S. 119; viermal steht ob in einer Westerburger
Urkunde von 133 1 bei Günther III, 171. Ausserdem finde ich noch obir in
Giessen-Marburg, Wyss, Hess. Urk. II, 664, und in Schiffenburg bei Giessen,
ib. II, 394. Im nördlicheren Nassau und linksrheinisch finden sich von ent-
sprechenden Formen bekanntlich nur ove und of resp. ave und af.
Ein weiteres Hauptkennzeichen der Mundart der Regel ist das Fehlen
des r in der Gruppe rht, die hier durch vochte und Ableitungen vertreten
ist: vocht 13, 15. 17, voclite, -en 13, 16. 31. 25, 21. 27, 27. 34, 30. 35, 10. 37, 10.
38, 15; vochlicheme 13, 7; vochten 7, 7. 16, 3. 39, 17, fliehten 27, 1, vochtent
5, 35. 10, 7. 36, 24, vochtende 18, I; daneben, vermutlich aus der Vorlage über-
nommen, Formen mit rt: 2, 20. 5, 30. 6, 15. 8, 1. 10. 10, 3. 13, 13. 35, 23. Der
Ausfall des r erstreckt sich, soweit die Urkunden dies erkennen lassen, über
die Wetterau bis nach Hessen hinein, südlich über den Rheingau nach Rhein-
hessen. Der nordwestlichste Punkt den ich nachweisen kann, ist Wester-
burg: Behte Baur I, 560 (mit einem späten focht in Bacharach [1558] Weist. II,
225 mein einziges Zeugnis für Nassau, vom Rheingau abgesehen), der nord-
östlichste Kirchhain bei Marburg: Bechthohis Wyss II, 906, Behtmanshtcsen
ib. 946. Für Schiffenburg bei Giessen belegen ferwoith Wyss II, 741, vir?
wochte, virwocht ib. 668, in die Alsfelder Gegend führt Behtolt von Merlaüwe
ib. 979 {Bechte von Mirlauwe Baur I, 1091); nach der Gegend von Büdingen
Bechtuld von Eschbach, foiclit Weist. III, 432 ; vgl. ferner Bechtolt Langensel-
bold Weist. III, 418, Bcchtol Ettersheim bei Flörsheim ib. I, 558. Der
äusserste Punkt nach Osten scheint R i e n e c k bei Gemünden am Main zu
sein: Bechtolff, Bechtelt Weist. III, 518. Der südlichste Punkt auf hessischem
Gebiet ') ist Bechtheim (östlich von Alzei) Baur III, 1363. 1454. V,
294. 522, Behteim II, 742, Bechtem IV, 28 (früher Berchtheim, z. B. Baur II,
714. 744. 797, Beriheim II, 747. III, 987). Nicht viel nördlicher liegt Bech-
t o 1 s h e i m , ursprünglich Berlitoldishcim ; r-lose Formen in mannigfaltigster
Orthographie findet man z. B. bei Baur I, 362, Note. 686. II, 658. 755. 761.
921. III, 1051. 1067. 1083. 1100. 1126. 1199. 1254. 1268. 1363. 1396. Weitere
Belege für Rh ei nhessen: Begtolfi Baur II, 893, Be(c)htolf etc. ib. III, 1158.
1219. 1302. 1313. 1412. V, 385. 436. 440, BetholflW, 1294, Bechtolfen Frey und
Remling, Urkundenbuch von Otterburg 320. 458, Bechtoldus etc. Baur III,
1062. V, 393. 474, Bechte V, 473; Behtdrade V, 368, vgl. auch Hcinrici
dicti Sartwochc, d. h. Sarwochte Baur II, 784. Für Oberhessen: Be(c)hte
Baur I, 560. 944. 981. 1020. 1027. 1034. 1070, Befcjhto/d etc. I, 519. 854. 883
(vgl. Wenck I, 220. II, 317). 886. 926. 1027. 1107. 1135. V, 462, Bechdult
I, 907, Bechtuld I, 10 16, Beth(t)old I, 637, Bechtram(es) I, 1040. V, 274,
Betram{e) I, 816. 984, Bethtrath I, 769, Bechtraid I, 910. Für Eltville
zeugt die Familie Bechtelmünz , Bodmann, Rheing. Alt. 134 ff., für Eberbach
selbst Baur III, 12 19, wahrscheinlich auch noch 1168. 1302. Im Starkenbur-
gischen fehlen dagegen Belege für die Formen ohne r fast ganz. Die Ur-
kunde Baur I, 657 mit Bechtoldo de Rauensburg ist wol von einem Wormser
I) Weiter nach Süden habe ich die Erscheinung nicht verfolgt, da die südlicheren Gebiete für
meine Zwecke nicht in Betracht kommen. Das Speyerer Urkundenbuch kennt nur Berhtoll etc.,
keinen Bechtolt, doch scheint diese Form in Niederelsass wieder aufzutreten.
Schreiber geschrieben; dagegen finden wir einen Bechtolten Leysten im Weis-
tum vom Landsberg bei Heppenheim, Weist. I, 469. Im Gebiet des Mosel-
fränkischen habe ich nur ein isoliertes focht im Weistum von Rimsbach bei
Merzig a. Saar igefunden, Weist. III, 750 ').
Von den durch diese beiden Eigentümlichkeiten abgegrenzten Gebieten
sind nun die Wetterau und Rheinhessen, letzteres mit Ausnahme des Streifens
unmittelbar südlich vom Rhein, wieder auszuschliessen. Diese Gebiete kennen
für sehen, geschehen, jehen etc. nur die Contractionsformen scn, gesehen, Jen,
nicht aber sien, geschien, gien, welche die BR. mit den nördlicheren mittel-
fränkischen Dialekten gemein hat: sien, sin etc. 2, I. 10. 10, 11. 13, ig. 22, 2.
23, 28. 26, 26. 37, 24. 25, geschie 6, 23. 23, 18. 38, 20, geschin 23, 20, gescin 33,
30 ; begien 10, 17 neben begenc 12, 10, seilen 22, 8 und stets zelten 40, 18,
zehende 12, 28, czenden 26, 21 neben zegene 14, 24 statt des zu erwartenden
zien 'zehn' 2). Es bleibt also wieder nur das südlichere Nassau übrig. Für
Eberbach ist sihen durch Baur III, 1103 belegt.
Neben schriftdeutschem mit 1, 3. 2, 8. 9 etc. erscheint dialektisches bit
nicht selten: r, 4. 5, 10. 8, 7 etc. Für bis 3, 20. 14, 25 etc. steht einmal noch
unverschobenes bit 34, 28 und einmal mit 22, 21. Letzteres ist besonders
beachtenswert. Als eberbachisch ist es in der Gnadenthaler Visitationsurkunde
41, 8. 12. 22. 43, 7. 11. 20 neben bit 42, 13. 43, 26 belegt; sonst finde ich es nur
noch in der Lebensbeschreibung Ludwigs III von Arnsburg, Nass. Arch. XVIII,
2S5 (vgl- ein linksrheinisches mis a. 1327 bei Höfer II, 121).
Von Einzelheiten hebe ich noch hervor die Einschiebung des g in siegen
'ziehen' 27, 19, zegene 'zehn' 14, 24 (vgl. rügen 'ruhen' 26, 5; über funfsegisten
38, 16 s. dieAnm. zur Stelle); dazu urkundlich siege unten 41, 10. 24, zugit 'zieht'
Baur III, 12 19; Praet. lachte 16, 25, Part, gelacht 24, 23 =r gelacht Baur III, 12 19;
Fartgesatzit^, 12. 13. 25.4,21 etc. oft (nebengesatzt 10, 2.26,17 etc.,gesatzi$, 19) =
gesatzit Baur I, 543 (die Form ist auch sonst in der Mainzer Gegend nicht selten).
Zu dem durch diese Einzelerwägungen gewonnenen Resultate stimmt
1) Keiner der Urkundenbelege ist älter als der Anfang des 14. Jahrhunderts. In der Literatur
aber sind die Belege für den Verlust des r bereits früher vorhanden (Deutsches Wb. IV, 695,
Lexer III, 469 f. 600. Weinhold 2 S. 210). Sie beginnen mit vokte in den alten Tundalusfrag-
menten und erstrecken sich über die wetterauische Elisabeth und Erlösung, verschiedene Frankfurter
Schriftstücke, Eberhard Windeck's Spottgedicht von den Mainzer Unruhen, endlich den Morolt
(worüber demnächst vielleicht Näheres an einem andern Orte).
2) seit 'sieht' 17,6 halte ich für blossen Schreibfehler, und habe desswegen auch beiget 12, 8
in begiet und nicht in begeit corrigiert.
vollständig die Stellung des Denkmals in Bezug auf den Stand der Lautver-
schiebung.
Auslautendes b bleibt oder wird zu p: lob 2, 23, Hb 7, 7, Urlaub 9, 4,
werkwib 31, 3, ob 'ob' 1, 17 u. o., 'oder' oben S. IX; irhup 9, 21, orlaup 23, 17,
grupheide 30, 7, lipnarungen 27, 14. Inlautend finden sich einige z>: gehevet
6, 8, streven 6, 12, inleven 8, 14, sehen 37, 21. In- und auslautendes ^,/wird nie
durch 3 vertreten, was in den Eberbacher Urkunden allerdings bisweilen der
Fall ist: zwivel 5, 28 etc., duvel 16, 4 etc., ^rz^*? 33, 29, bysschove 35, 6, fo7/<? 29,
23. 33, \,geprufet 17, 17, brief ^2, 17. 19, brifiS, 27.
P erscheint unverschoben im Anlaut (18, 8. 17. 20, 16. 22, 21 f. 24, 8. 29,
12. 30, 18) und in der Gemination (n, 4. 13, 26. 22. 9. 31, 17. 37, 9. 39, 28);
nur das Fremdwort opfern schwankt zwischen pp (27, 21. 32, 31. 33, 2. 11) und
pf (27, 17. 33, 5. 11). Ferner steht unverschobenes / durchweg in scharp und
Ableitungen, 3, 13. 5, 1. 16, 28. 17, 23. 31, 25. 38, II. Auch dies ist völlig
correct und keine Ausnahme von der Lautverschiebung. Denn wie die ober-
deutsche Form scharpf zeigt, liegt ein Stamm skarppo- zu Grunde. In der
Elisabeth 191 5 reimt scharp: erstarp (Rieger S. 32). An urkundlichen Belegen
führe ich an Scharpenstein bei Kiedrich, Rössel 6. 70. 90 etc. (28mal gegen vier
Scarphenstein 155. 158. 160. 252; die drei ersten Urkunden in dem früh durch
hochdeutsche Einflüsse berührten Mainz ausgestellt); ferner Baur I, 8. 29. 412.
538. 596. 620 650. III, 1065. im. 1149. 1357. 1369, Note. 1377. 1418. 1436.
1507. 1564. IV, 178. V, 411. 453, dagegen Scharphenstein I, 583 (die Urkunde
ist von einem Notar Fridericus dictus Ebernandus clericns Constantiensis aus-
gestellt und zeigt auch sonst südlichere Sprachformen) und ähnlich in Mainzer
Urkunden I, 497. II, 285. III, 1153. V, 38; vgl. auch I, 980 Note. Ferner
Scharppinecke (Frankfurt) Böhmer 767 ') ; Scherpclin, Richter in Mainz, Höfer
183. Rössel 722. 772. Baur II, 707 etc. III, 928 etc. (sehr oft; ich habe 50 Belege
notiert, welche bei weitem nicht erschöpfen; einmal erscheint der Name
unverändert sogar in einer Speyrer Urkunde, Hilgard 253, 22); ferner scharp-
richtcr Berncastel Weist. IV, 749. Ebenso werden natürlich auf rheinfränkischem
und hessischem Gebiet auch die übrigen hochdeutschen rpf = germ. rpp
I) Dagegen haben Scharfenberg bei Annweiler und Scharfeneck bei Dernbach (Bergzabern)
durchgehends / oder fh (vgl. die Belege bei Hilgard, Urkunden zur Geschichte der Sladt Speyer
S. 545, ferner Baur I, 182. II, 22. V, 276 resp. I, 65. 66. 74. 209), liegen also südlich der Ver-
schiebungsgrenze. Nur in Urkunden, die weiter nördlich ausgestellt sind, wird bisweilen das p ein-
geführt, vgl. z. B. Baur III, 961. 1324. Günther III, 528.
behandelt: Conrad (Kunce etc.) Karpe Wyss II, 786. 795. Baur I, 833.^484;
Hancmanni dicti Karpe Baur 1, 373, Nicoiao dicto Karpe Baur III, 1041, Note;
Harpern gidtsmedcs Wyss II, 849 1), Erpesfort Rössel 24, Hernie Erpe Weist. III,
422, Henrich von Erpe Günther III, 322, Erpilshcim Baur II, 787 (dagegen
Peter Erpfe, Erphe in einer Urkunde von Babenhausen, Baur I, 700, die auch
anlautend ph hat, und Erphe von Wingarten bei Germersheim, Hilgard S. 562);
vgl. ferner Sygele dictits Schirpe Wyss II, 745, Heinrich Schirppc Lehmann a. a.
O. S. 202, auch wetterauisch (16 Jahrh.) scharp, schl'örpt im Arch. f. hess. Gesch.
XV, 3 82. 3 S7.
Sehr auffällig sind zwei anlautende j für g: iude = mhd. gnote 4, 11
(welches vielleicht nach dem vorhergehenden iungersen verschrieben ist, da die
Handschrift solche Fehler oft macht) und ierent 35, 21; denn eine Anknüpfung
an die Gebiete welche jetzt j bieten (Wenker , Sprachatlas I, 1) ist unmöglich.
Urkundlich finde ich nur viel nördlicher in der Gegend von Maxsayn ein solches
j in iode = gnote Höfer II, 1 5 8.
Ausfall von inlautendem g'mgesenit 16, 7, mede 33, 1. 8, kestiungen 15,
17, fast regelmässig in geht nebst Ableitungen (Ausnahmen 13, 28. 33, 3),
und von ch in notdurfteclic, letzteres ebenso Erweichung des ch voraussetzend,
wie die häufige Anwendung des g in mehrsilbigen Formen von welch, wie 28, 11.
34, 14. 36, 24 etc. 2). Inlautend ch für g nur in nnmaniche 12, 33, -echen 13, I,
■che 31, 19; auslautend auch fast nur in Adjectiven auf -ic : 6, 13 (2). 10, 13.
II, 8. 13, 7. 9. 15, 9. 18, 1. 37, 13, neben -ig: 10, 27. 11, 16. 12, 20, 13, 6
etc., und -ic: 10, 5 (?) , 18, 12. 35, 5. 7. 37, 1. Sonst noch ch in trachkeit
3, 19 und mach 14, 23. Auslautend c, k für g sonst nur nach n: 3, 26. 9,
16. 19. 10, 16. 14, 4. 18, 2. 14. 19, 3. 23, 26. 33, 29 (daneben auch -ng:
4, 10. 10, 30. 16, 24 etc.). Fest ist k für g-\-h in den Ableitungen auf -ekeit
(nur 2 mal -igheid 24, 3. 39, 23, -echeide 38, 2) und c für g in i(e)clich 4,
23. 29. S, 17 etc. und den Adjectivis auf -eclich: 3, 12. 7, 2. 12, 32. 20, 21.
27, 2. 12 etc. Etwas besonders Charakteristisches liegt hierin nicht; das ge-
1) Als zweifelhaft lasse ich bei Seite den Namen Harpelo Baur I, 483. 589, Harpele I, 982,
Herpelo III, 1041, Note (vgl. auch Herppen von Vechinheim I, 982); Herpein, -e/e Weist. I, 482.
III, 45 1 : denn obwol ein Frauenname Harpfa bei Dronke belegt ist (Förstemann I, 636), so ist
doch Harpelo vielleicht Deminutiv zu Hartberaht (vgl. auch Harpirshuscn, -er Baur I, 589 mit Harp-
perathusin I, 5 79)-
2) Diese Erweichung besteht noch jetzt wenigstens in einem Teile der sprachverwanten Ge-
biete. In Niederhessen herscht nicht nur inlautendes j in den Adjectiven auf -lieh (also -lije etc.),
sondern auch nach / und r : weife, kirje, lerje = welche, kirche, lerche etc.
sammte Gebiet des Moselfränkischen zeigt etwa gleiches Verhalten (vgl. nament-
lich auch das siebenbürgische iklijenr Beitr. XII, 156). Erst auf ripuarischem
Boden erscheint auch vor h und / die Spirans als Regel.
Für auslautendes k steht g in strig 11, 31, rog 30, 5 (vgl. gestregtemc
.28, 23), starg 5, 14, werg 12, 14, 27, 6; ch in werch 8, 9, nach 32, 8.
Abgesehen von bit, mit (oben S. XI) und einem dat 9, 8 ist germ. t
ganz verschoben wie gemeinhochdeutsch. Auffälligerweise kein dit, nur diz
20, 12. Fest bleibt natürlich wie auf dem ganzen Gebiet auch des Rhein-
und Mittelfränkischen germ. t in fällen wie winters 30, 5, bitter- 4, 32. 39, 9,
gehitert 11, 30. 31, bespottet 32, 13, matte 30, 20, und wo es für altes ht steht,
in vorte, vorteil 'Furcht, fürchten' oben S. IX f. 1), und den flectierten Formen
von ambct 23, 15. 25, 9. 27, 3 etc. Ebenso meist das t der Fremdwörter
die nach der Lautverschiebung aufgenommen sind: gctcmperet 3, 29, vgl. 22,
27- 35> 3°i tercien 26, 20, tafole 19, 3; prophete 2, 13 etc., completen 13, 23
etc., nature 3, 7, convente 14, 9, elter{e) 32, 17. 33, 2, seltere 40, 28, porten
{-ersen) 37, 5. 7; mettenien) 13, 22. 24. 20, 9 Ueberschr. Schwanken hier
nur in eppetcn 35, 6 und einmaligem aptissen 15, 18 neben gewöhnlichem
ebdisseiii) 4, 10 u. o., prcdigadyn 2, 24 und arzides 16, 12, gearzediet 17, 4
neben arcctisse 17, 3. — Vertretung von anlautendem germ. /V durch </r fehlt:
trenc(ii) 7, 14. 14, 8. 28, 10, getruwen 10, 27. 21, 21. 22, 8. 30, ^getroste
38, 6, ftr^r 18, 1. 27, 4. 40, 6.
Germ, thw erscheint auch hier fest als tiu: twingen 5, 8. 26, 9. 37, 13,
getwatic 3, 14. 21, 4, twelen 19, 26, fttvw 20, 2. 29, 5.
Genaueres Eingehen verlangt die Behandlung des germ. d, da dessen
Verschiebung im Rheinfränkischen und den Nachbarmundarten bisher in einem
Punkte nicht genau genug dargestellt worden ist.
Anlautendes d vor Vocalen ist nie verschoben; die Gruppe dr
schwankt zwischen dr-, wie 16, 21. 18, 5. 22. 20, 1. 21. 22, 14. 24, 19. 33,
14. 23. 37, 2. 39, 8, und tr-\ betrüben etc. 17, 26. 18, 18 f. 34, 3. 36, 3. 38,
10, betrogen 33, 9.
I) Höchst sonderbar setzt Roediger im Anz. f. d. Altert. I, 83 den Reim forhtcn: porten im
Vorauer Alexander 210, 25 in die Formen fönten: forden um, offenbar nach dem bewährten
Recept: hochdeutsch t = niederrhein. d. Auch sadde für satte ebenda S. 82 (bei dem sich Roediger doch
schwerlich auf die trügerische Orthographie des Trierer Psalters gestützt hat) ist eine für einen Germanisten
recht merkwürdige Form. Ob nicht auch mancher der Studenten, deren sich Roediger laut Anz. XI, 116 zur
Aufführung seiner kritischen Opferfeste bedient, über derartige Stücklein sein Haupt schütteln würde ?
Geminiertes d wird, wie bis an die Grenze des Ripuarischen über-
haupt, stets verschoben ■. dritte u, 15. 21, 24. 26. 32, 19, bette 14, 21. 15, 15
26, 6. 30, 18, mitternach 13, 25. Das ^ unseres Textes wie ähnlicher Denk-
mäler steht nur für einfaches d. Wie s?dde 17, 26, midde 20, 22. 28, 7. 31,
12, bedden 'beten' 18, 22. 31, 18, &y&ä? Subst. 32, 15. 33, 11, veddere 39, 7.
28. 40, 24 ist natürlich auch bidden 5, 1. 18, 22. 21, 7 zu beurteilen, d. h.
es entspricht dem hochd. biten, nicht dem hochd. bitten.
Inlautendes d von Stammsilben1) ist nach Vocalen und / nur
ausnahmsweise verschoben, nach n niemals. Zur Bezeichnung des verschobenen
Lautes dient meist t: ziten 1, 9. 8, 15, rate 6, 19, noten 6, 26, verbieten 9, n,
muterliche 34, 18, gotc(s) 1, 20. 8, 25, gebute 10, 5; otmudkcitc 7, 32; »»Zfe
2, 8, behalten 16, 4; seltener th : finthe 2, 2S, gebet/iet 16, 17, gebothe 15, 10;
endlich ztf, abgesehen von fritdag 22, 24 nur in nebentonigen Silben: .ravr-
mutdigenß, 26, otmutde etc. 8, 30. 9, 20. 29 (2). 12, 18. Für /«'zVr<? 9, 25. 29,
leiternbeume 9,31 wird man auf die zu Grunde liegende Gruppe dr zurück-
greifen, d. h. die durchgehende Verschiebung dem Einfluss des /' zuschreiben
müssen. Nicht hierher gehören ziteliche etc. 25, 17. 29, 10. 36, 1 {zitheliche
26, 7) und gutelicken 33, 21. Hier stehen die / eigentlich im Silbenauslaut
und das in der Schrift eingeschobene e ändert daran nichts (vgl. nooh geiste-
liche(n) 7, 25. 27, 22. 32, 28, iinverdruszeliche 7, 26, zuchteliche(ii) 34, 15. 38,
16 und überhaupt die auf dem Gesammtgebiete des Moselfränkischen häufigen
ikelick, gehenkenisse u. dgl.).
In stärkerem Masse ist das d der schwachen Praeterita und
Participia verändert. Neben -ede 8, 3. 30. 11, 29. 13, 16. 24. 28, 23. 34, 9.
35, 20 stehen inspannete 9, 21, genengetim 13, 5, lobete 13, 20, irbarmete 16,
25, deilite 19, 20; neben virsmedin 4, 7 steht a/ate« 2, 28. In den synko-
pierten Formen steht ausser einem isolierten sande 8, 17 stets t: bekanten
2, 24, santte 11, 14, vorzaltes 4, 16; ferner irvertin 1, 16, horte{ii) 3, 4. 7, 29.
35, 33, genedirtin 13, 8. Die letztere Regel gilt für die gesammte Urkunden-
masse des Hessischen und des Fränkischen bis zur ripuarischen Grenze, und
Ausnahmen sind höchst selten. Da aber die Gedichte oft Reime wie kande,
sande: lande; besekeinde: geinde 'Gegend' bieten (vgl. Rieger, Elisabeth S. 33),
und später Formen wie zalte auch in Ripuarien auftreten 2) , so wird es frag-
1) üeber die von den Grammatikern wenig beachtete Notwendigkeit der Scheidung zwischen
Stamm- und Ableitungssilben s. Rieger, Elisabeth S. 33.
2) Nur rjiuss man da sicher einen grossen Teil der zahllosen vorgenante etc. ausnehmen, die
*— XVI —
lieh bleiben müssen, ob es sich nicht teilweise wenigstens mehr um eine
Schreibgewohnheit handelt (die sich die zahlreichen Praeterita mit lautgesetz-
lichem t nach stimmlosen Consonanten zum Muster nahm) , als um einen
eigentlichen Verschiebungsact.
■Regelmässig ist dagegen die Gruppe rd verschoben , ausser in (nur
schwach) nebentonigen Silben. Die Belege sind: worte etc. I, 20. 4, 12. 13
5, 7 etc. (oft), umgorten 2, 9, gegortet 15, 1, gortcln 15, 1, gurte l 30, 23
karte{n) 5, 8. 31, 24. 38, 8, (vollen)hirtin etc. 3, 20. 11, 22. 15, 15. 16, 2
31, 17. 26. 38, 5, kirtin, -en 5, 30. 16, 23, herte{n) 5, 18. 16, 26. 17, 13. 35
28, garten 13, 4. 25, 9. 37, 14, warten 19, 5. 23, 4, ot>ä? 37, 21 ; hartdis
4, 13; warthet 2, 30. Ebenso im Compositum orteil, urteil 4, 1. 5. 5, 28
30, und ortdeil, urtdeil etc. 6, 16. 7, 6. 27. 13, 7. 27. 15, 17. 18, 9. 34, 5
37, 4. Ausnahmen nur herden 'Herde' 4, 4 und hirderse(n) 'Hirtin' 4, 2
In nebentonigen Silben herscht dagegen Schwanken. Regelmässig t hat antworte
nebst Ableitungen, 2, 15. 30. 18, 16. 20, 3. 30, 11. 17. 32, 19. 37, 6. 8. 9.
11. 40, 15 (dazu anwirthest 2, 2), dagegen heisst es wederwurdigen 11, 20,
-2VA 15, 9, wederwurdikeit 11, 24, geinwordich etc. 10, 13. 13, 7. 24, 7. 32, 16,
33, 3 und nur je einmal gegenwortig 10, 27 und gegemvurtdigen 9, 24.
Der hier an einem Beispiele belegte und für die Classificierung der
fränkischen Mundarten höchst bedeutungsvolle Verschiebungsact scheint von
den Gelehrten die sich in neuerer Zeit mit der Erforschung dieser Mundarten
eingehender beschäftigt haben, nicht bemerkt worden zu sein. Weder bei
Weinhold, noch bei Müllenhoff, Braune, Heinzel, Busch finde ich einen Hin-
. weis darauf, obschon bereits im Jahre 1868 Rieger a. a. O. die betreffende
Regel für die Elisabet erkannt und angedeutet hatte '). Die Verschiebung
von rd zu rt aber ist ein gemeinsames Merkmal aller 'chattischen' Mundarten
im Gegensatz zu den 'ripuarischen', welche das rd beibehalten. Es wird eine
zwar in unsern Urkundendrucken zu finden sind, aber den Originalen gewiss nicht angehören. Ich
kann wenigstens nicht glauben, dass cölnische Schreiber z. B. in ein und derselben Urkunde ad
libitum zwischen vurgenoimde und vurgenante abwechseln, wie das in den Urkundenbüchern oft genug
der Fall ist, sondern sehe in den letzteren Formen lediglich falsche Auflösungen der so gewöhn-
lichen Abkürzung vurg seitens der Herausgeber.
1) Er sagt: 'd . . . wird ... für hochdeutsches t gebraucht ... im Inlaut nach / und n,
denen tönender Vocal vorausgeht, und nach tönenden Vocalen selbst', schliesst also die Gruppe rd
bewusst aus. Neuerdings ist dann dieser Punkt von A. Wyss gestreift worden, der in der Einleitung
zu seiner Ausgabe der Limburger Chronik (1883) S. 19 sagt 't steht gern nach r, z. B. antworten,
genwortig, orte, worie, huiswertes, garte, geborten''.
Hauptaufgabe für die Specialforschung sein müssen, die Nordgrenze (oder
genauer Nordwestgrenze) dieser Verschiebung festzustellen und die Reime der
Dichtungen auf ihr Verhalten in dieser Beziehung zu untersuchen. Einiges
Nähere hoffe ich bald in einer besondern Abhandlung bringen zu können ').
Für den Augenblick will ich nur noch folgendes erwähnen.
Das Schwanken zwischen rd und rt in nebentoniger Silbe zeigt sich auf
dem gesammten Verschiebungsgebiete, aber so, dass häufiger nur die Eigen-
namen (auf -hart und -gart besonders) unverschobenes rd aufweisen , wie ein
Blick in eines der einschlägigen Urkundenbücher zeigen kann. Es hängt dies
offenbar damit zusammen, dass nur die Eigennamen das zweite Glied regel-
mässig genug im Tone schwächten , während als Composita empfundene
Wörter eher die Formen der Simplicia wahren. Doch findet sich rd auch
im Süden des Gebietes in Nichteigennamen urkundlich belegt (vgl. z. B.
wyngardin, -is Wyss II, 626, geginwcrdigen Wyss II, 818 (2), geinwerdig II,
828) 2).
Linksrheinisch scheint die Verschiebung etwa bis zu der cEifel-
grenze' Wenker's und Nörrenberg's zu gehen, nur vielleicht nicht ganz so weit
nördlich. In Andernach herscht noch rt, geburte Günther III, 6, verantwerten
Lac. III, 162, ebenso auf der Linie M a y e n (gemvurtegin, boymgartyn, geburtin
Höfer II, 153) — Wittlich {antwerteii, geburte Günther III, 352) — Trier
(nur die älteste deutsche Urkunde von Trier vom Jahre 1248, Günther II, 126,
hat rd : antwerden, -et, aber immerhin nur in nebentoniger Silbe; sonst steht
rt fest). Dagegen haben bereits rd S i n z i g (geenwordichin. Gerharde, geburde
Höfer II, 114, Gerharde, Buytscharde , vurwordih, geburde ib. II, 115), Saf-
fenberg-Neuenahr (vurwardin, verantwerden, antwerdin, vurwerde neben ein-
maligem vur-warten Günther III, 405), Ahrweiler (geynwirdich, untgeinwerdich,
geburde 'gebührte', Lumbarde, antwerde Praet. , verordelt Günther III, 689 =
Weist. II, 643), Prüm (vurwerde , verantwerden , worden , recht/erdigen , ant-
wurden, schwerden , urdell, auch dirde, derde Weist. II, 515 ; die Ausnahmen
verantwurtten und wartten werden der späten, bereits stark mit schriftdeutschen
1) Wenn dieselbe nicht durch demnächst zu erwartende Untersuchungen von Herrn John
Meier in Freiburg, der eine Ausgabe der Iolanthe vorbereitet und, wie ich nachträglich erfahre, zu
ähnlichen Resultaten gekommen ist, überflüssig gemacht wird.
2) In den Grenzgebieten habe ich alle Belege für unverschobenes rd angeführt, die sich in
einer citierten Urkunde finden. Oft kann nur che relative Häufigkeit verschobener und nichtver-
schobener rd in Nebentonsilben entscheiden.
Elementen durchsetzten Abschrift zur Last fallen) und Marienthal bei
Luxemburg (Hardinbruch J. van Werveke, Cartulaire du Prieure de Marien-
thal I, Luxembourg 1885, S. 338, Scherdenbrul 345, garden 360, auch heren-
garde 312, hargarden 351, wingarde(n), roip-, ropegarden 360, Megonsongarde
344, steynevurde etc. 327. 328. 329, dyffurde 330 u. s. w.). In dem Zwischen-
gebiet weist Kempenich-Laach genwortigen, 'geburte neben Reinarde
Günther III, 272, geinwordich ib. 513 auf, Burenzheim-Laach vürworthen,
Irmegurte, Isenbarte, gebürthe neben vurwurden, Gerarden Höfer II, 66. Für
Virnenburg lässt sich urdel Günther IV, 222 anführen. Verdächtig ist mir
die Urkunde von Montreal Günther III, 402 mit van worde zu worde neben
hurten 'hörten' und antwerte. Gewiss auszuschliessen ist ferner die Urkunde
von Kuttenheim-Frauenkirchen bei Ochtendung Höfer II, 121 mit verdeyl
und geburde; sie zeigt durchaus ripuarische Orthographie (vgl. auch benoymdhi)
und wird von einem Schreiber aus einem nördlicheren Gebiete geschrie-
ben sein.
Rechtsrheinisch gehört Hammerstein am Rhein noch dem Ver-
schiebungsgebiete an, könnte aber doch geschwankt haben: 1300 geynwor-
digen neben wirte, wirten Höfer I, 29; 1329 vurwordin neben vurwortin,
vhrworte, geburte ib. II, 131; 1337 Gerarde, -des neben geburte Günther III,
223, Worten ib. III, 578, wyngarten ib. IV, 2 (alle rd doch nur in nebentonigen
Silben). Der in Linz beschworene Burgfriede von Rennenberg (1270) hat da-
gegen nur rd: wordin, vurwordin, dirde , dirdime Höfer I, 8; vgl. ferner für
Rennenberg Hargardin ib. II, 23. Nach Osten zu scheint die Grenze in der
Nähe von Sayn, Braunsberg und Isenburg zu verlaufen. Die ältesten
Urkunden von Sayn haben nur rd, z. B. 1272 gesicherder, Gerardes, vor-
wurden, geburde Höfer I, 9; 1283 Gerarde, vorworden, keirde, Steinvorde,
antwerden, geburde ib. I, 12 (Lac. II, 786); 1284 intgegenwordich, vorworden,
Gerardes, Hardevust, geburde ib. I, 13. Dagegen schwanken Braunsberg-
Nothausen (1326 geynwordichme , wingarte, bungarde , wingarde , geburte
Höfer II, 109, doch wieder nur in Nebentonsilben) und Isenburg (1334
vurwortin, antwertin, -te, -din, geginwordigin Günther III, 203, geburde ib. III,
468). Bei Max sayn im Amt Selters herscht dagegen wieder rt: 1333
geynwortigin , vurwortin , wortin, geburte Höfer II, 1 5 8, ebenso in Wester-
burg: 1331 geywortich, geburte Günther III, 171. Weit.er nach Nordosten
habe ich die Grenze nicht genauer verfolgen können ; sie wird sich vermutlich
in der ihr auch sonst (wie den meisten Grenzlinien auf diesem Gebiet) eigenen
Richtung von SW. nach NO. fortziehen. Ganz Hessen gehört dem Verschie-
bungsgebiet an.
Ueber das Alter der Verschiebung kann ich eine bestimmte Meinung
nicht aussprechen. Das Siebenbürgisch-Sächsische teilt sie mit den verwanten
einheimischen Mundarten. Zu den von A. Scheiner, Beitr. XII, 146 verzeich-
neten Mrt, hart, vyurt, by-urtn, gmrtn mit durchstehendem t kommen nach
freundlicher Mitteilung desselben Gewährsmannes noch (Btzrtij^ artig, fiurt Fahrt,
fcBrtif^ fertig, girtl Gürtel, hart hart, yurt Ort, schvtWt Schwert, virt Wirt,
Ismrt zart, daneben stehen freilich die Ausnahmen vusrdn warten, schviurdn
Schwarten (Dat. PL), gabceeerdii bärtig. Für den Roth er ist der Eintritt der
Verschiebung verbürgt durch den Reim harte : marken 4035, für La mp recht's
Alexander durch harte : geivor(h)te Vor. 705 neben geburde : wurde 6j . 103
(an wurle mit Erhaltung des grammatischen Wechsels darf man wol für diese
Zeit nicht mehr denken). Endlich sei noch angemerkt, dass auch in den Ge-
bieten, welche altes rth und altes rd in rd graphisch zusammenfallen lassen
und auf einander reimen, doch die Laute nicht ganz gleich gewesen sein
können. Nördlich wie südlich der Verschiebungsgrenze wird altes rth später
zu einfachem r, während das alte d erhalten bleibt; ripuarisch heisst es z. B.
jetzt zwar were, wäre für werden, aber ja(r)de, ga(r)de für garte(n).
Von sonstigen consonafitischen Eigentümlichkeiten mögen, obwol sich
für die genauere Localisierung unseres Denkmals daraus nichts besonderes ergibt,
noch folgende erwähnt werden.
Abfall des t nach Spiranten: lezes 4, 8, lezzes 17, 5, letzes 40, 5,
notzes 6, 15, lichste 30, 9 (vgl. auch machs du 31, 28. 32, 1. 40, 5), gesatz
15, 19; voilebrach 8, 7, unreell 11, 33. 12, 10. 17, 2, vochlicheme 13, 7, nach
13, 25, nachstunden 23, 7, mach 38, 3; durf 37, 15. Umgekehrt Anfügung
in solicht 33, 23, solichte 27, 1, ernestlichte 39, 9.
Assimilation von nd zu nn und Vereinfachung zu n in unbetonter
Stellung: allerhanne 18, 25, wanne 4, 10. 20, 22. 30. 25, 5, wene 34, 4. 38, 24;
revenere 20, 6; Participia: sitzenne, gande, stände 13, 5, murmellene 15, 8,
stvigene, Sprechern 24, 22, clopene 31, 17, diddene 11, 34; dazu wol auch
missedungen = missedfinigen 5, 4. Umgekehrt nd für n: der bevollender schafe
16, 19, zu merende 21, 28. Assimilation von mb zu mm in umme 8, 25. 16, 27
etc., dumme 5, 10. 12, 30, gecrumet 13, n, einmal auch in ammet 18, 21 neben
häufigem ambet 3, 25 etc. (ißmal), umbe 16, 12, bekumberet 19, 20. 25. 23, 15,
dumb 22, 7. Auch das Compositum imbiz schwankt zwischen umbez 22, 26 und
ummez 23, 5.
Uebergang von hs in jj ist Regel: waszene 5, 4, wassen 36, 4, w«^
36, 7, assele 16, 25, J« 23, 1, .j<?.yzV 12, 12 neben sehes 32, 3 und wachsent 36, 12.
Ausfall des h in vorte etc. oben S. IX und stets in it (id 22, 1 2), «zY ausser
einem £zü 7zz'c/zzV 12, 15.
Vertretung von seh durch s: beszauwet 10, 10 ; cusz 14, 8, cusliche
39, i6,fleisz 16, 4, menslich 29, I. 39, 16, weszen 20, 1, wesene 30, 12, &c 21,
5, underzusen 34, 35.
Andere Einzelheiten sind in den Anmerkungen berührt.
Der Vocalismus bietet keine grossen Besonderheiten dar. Ich mache
demnach hier auch wieder nur auf das Wesentlichste aufmerksam.
Umlaut des kurzen a in weszen 20, 1, wesene 30, 12 'waschen', echte
'oetavus' 26, 8 (neben achte 12, 22), vesteldage 23, 12 (die Form vastel- bei Lexer
ist falsch); in der Flexion: gedenkeiii) PL 3, 29. 7, 10 etc. (iomal), grede 13, 12;
gewelde Dat. Sg. 19, 4. 29, 26. 36, 11 ; -scheffe 16, 9. 19 Überschr. 36, 17. 38,
9, -schefte 6, 10. n, 16 neben -schaffe 3, 19. 23. 24, 13, -Schafte 15, 14.
16, I; /^yzVz* swv. 2, 8. 11. Ableitungen auf -ig: deilheftig 3, 21, zweiveldiger
4, 10, manigf eidigen 12, 27, einfcldeclich{e) 33, ir. 14, senfteclichen 12, 32,
geiveldigen 14, 4, sorgsemig 16, Überschr. neben sebenfaldige 13, 26, sorgsamig
31,22, sorghaftig 10, 17; auf -«'<?: scheplere 30, 6, dazu auch elterie) 'altar'
32, 17. 33, 2. Composita mit -/jcä: unzellicher 3, 18, semcnlich 3, 22, scherp{e)lich
5, 1. 16, 28. 38, 11, zugengelich 5, 21, degelich 7, 8. 21. 11, 26. 21, 21. 24, 6,
anfenclich 8, 17, undenclich 8, 25, sperlicheiri) 22, 4. 16, gemeglich 37, 2. Ebenso
Umlaut des langen ä : iverliche 7, 20. 26, 1 1, gesweslicher 15,11 etc. Umlaut des
ou, wofür in der Handschrift stets aw, ist regelmässig durchgeführt, ausser in
Verkäufern 31, 8. 12 und natürlich vor w. geleuben Gen. Sg. 3, 18, reufen 5, 5,
zeugen 2, 15. etc. (s. Antn. zu 2, 8), verleukenen 6, 28, heubet 11, 33. 13, 5. 24, 23.
28, 23. 30, 18. 36, 17, irleuben 20, 26. 21, 3. 31, 16. 19, (iinfreudeiii) 19,
22. 27, 18. 20. Pluralumlaut in beume 9, 3 1 (dreume Dat. Sg. 9, 26 ist wol Fehler).
Dagegen drauunge 16, 21 und stets (un-)fraitzven 1, 10. 2, 25, 26. 5, 19. 1 1, 18.
19, 13. 26, 10. 29, 27.
Brechungs-e ist fest, nur einmal sint- 'sehnt' 27, 6. FürUmlauts-e
meist i vor r -\- Consonant : {vollcn)hirtin,-hyrtcn 3, 20. II, 22. 15, 15. 16, 2. 31,
26, kyrce 14, 25, mirken, myrken 19, 11. 20, 19. 21, 2. 27, 8. 30, 24. 26. 33, 20.
34, 29. 35, 19. 36, 9. 39, 22, virte 37, 21, antwirten 2, 2. 30. 40, 15 (neben ant-
tvorten, antzvurten); doch auch erb in 3, 5, merken 10, 10. 14, 1, vollenlierten 38, 5.
Ferner vor äs ^> ss: wyschet 'wächst' 38, 10 ; vor /-f- Palatal in zvilich, tvilch
4, 27 etc. neben welich, welch.
Kurzes i weicht in offener Silbe vor einfachem stimmhaftem Consonanten
oft in e aus: weder 1, 3 u. o. (ca. 24mal), neder 9, 28 u. ö. (iomal), beden 3, 8. 10,
21. 18, 22. 32, 20, mede 17, 17. 19, 21. 36, 15, .?<?<£?« 18, 26, <?dfo>z'.s 12, 20 (vgl.
idewiz 2, 18); geschreben 5, 19. n, 17, seben(de) 12, 17. 13, 20. 21. 24. 26, gebet
19, 6; licmele 9, 31, nemet 12, I, bevelet 18, 16. 35, 26. Sonst nur noch einmal
viessedat 17, 16 und sprechet 8, 4. f/für 2' steht fest in ummer, nnmmer, suster,
zusehen; dazu umbez 22, 26, ummez 23, 5, burnen 14, 25.
Kurzes u,üwirdoft durch 0 vertreten : 1) vor einfachem stimmhaftem Con-
sonanten: mogeiii) 2, 12 etc. (ca. I7mal), unmogeliches 38, \,gehogen 3, 23. 30. 5,
12. 35, 20, dogendeiii), -t 5, 2. 13, 16. 27, 9. 35, 30. 38, 21.40, 2.6, cogele(n)
30, 5 (2). 13. 15. 23; obil 2, 18 etc. (6mal), gelobedes 32, 3, tf£<?7" 4, 8 etc.; son
5, 10, comme 24, 16, frome(t) 31, 5. 38, 6. 37, 15; wil(t)core 6, 7. 8, 13. 21.
32, 6; dazu wilcorde 22, 10 (für -corede); molen 37, 14; — 2) vor alter Ver
schlussgeminata : notze 19, 24, notzes 6, 5, coppele 22, 9. — 3) vor / -+- Con
sonant: scholt 4, 2, irvoll'en(e) 13, 23. 18, 21 ; — 4) vor r -\- Consonant resp
silbenschliessendem r: oft in gorten, anhvorte, -en, orteil, vorteil und vochten,
geinwordich (s. unter rd); ferner worczeln 5, 5, verworfit 16, 22, bedorfen 2
25, notdorftikc it 11, 14, jcwwz 12, 19, orlaube 24, 9, zw etc. (gehört eigentlich
wol zu No. 1) ; — 5) vor ht in unzochligen 4, 33 ; endlich — 6) in <^" 3, 17 etc.
neben ebenso häufigem uff, und in sollen neben stillen. Ausnahmsweise einmal
bevonden 33, 9, vermutlich nur graphisch; vgl. Anm. zu I, 2.
Für kurzes o steht u in stullzheide 9, 17 (neben jfo/fe 7, 14. 15, 8, .rfo/fe-
/«7V&» 17, 2) und in duchter{e) 1, 9. 32, 31 neben gewöhnlichem dochter; ferner
« regelmässig in $«/, gelegentlich in «&■ 'ob' 8, 26. 9, 20. 15, 12. 21, 23. 22, 12.
24, 26. 28, 8. 31, 23. 25, aber 'ob' 32, 5. 6, neben häufigerem obe, ob; in abe
'oder' 32, 22. 35, 6. 37, 25, «&r 'oder' 4, 24. 13, 4. 38, I; sonst noch einmal in
becarunge 28, 21.
Die langen Vocale und Diphthonge sind im Ganzen fest, wenn
man von den bloss orthographischen Schwankungen in der Widergabe des
alten ie durch i und ie (welches auch für altes i dient) und den wenigen ü absieht,
Für ei steht e in mesteren 9, 9, kledere 32, 29; ebenso selten für ie: ve 12, 16,
XXII
egelich 14, 10, gebediz 24, 29, gebede 31, 8 {stegende 9, 27 ist wol nur Schreib-
fehler für stigende, obwol es zweimal steht). Entsprechend selten o für altes uo:
otmodigere 4, 27, obirhoren 6, 22, und zweimal nach v. gezvogen 28, 30, gewoglich
31, 21 (vgl. Anm. zu 1, 2). Endlich einmal 0 für iu in gezogen 18, 24. Ein & für
6: trusten 6, 27.
Hie beginnit die regele sancte Benedictus unses vaders
und unsers liebew kerrew.
^"ernemet, liebe sustere, die gebot des meistere , neiget daz ore uers
herzen zu der manungen des milden vaders und ') irwullit sie, daz ir zu dem
weder kumment mit arbeide der gehoresamkeide von dem ir gescheiden sit
bit tragheide der ungehorsamkeide 2). zu uch wirt gerichtet 3) min rede ir
da virzigen hat ures eigene willen und dienen sollint deme heiigen Criste 5
dem waren kuninge und infangen hat die starke wafen der gehorsamkeide.
zu aller ersten, waz wir begynnen gudes zu dune, bydet in mit stedeme
gebede, daz 4) er an uch vollenbrenge, der uns 5) gewirdeget hat zu dune in
die zale siner duchtere, daz er an keinen ziten von uren ubeln werken ge-
unfrauwet werde, want uns ist ime alle zyt von allen sinen guden also zu 10
gehorsame daz er uns als ein irzurnet vader sine dochtere indrube noch als
ein irzurniger herre sine böse dirnen uns insende nit zu der ewigen pinen,
obe wir ime nit volgen inwollen zu der gnaden.
Durch daz sten wir ofen, vant die schrift wecket und sprichit 'iz ist
zyt daz wir off sten von dem slafe'. Nu dun ivir off uns äugen zu dem 15
gotlichym lichte und hören mit irvertin oren waz uns die gotliche stymme
raffende manet und sprichit 'Hude ob ir sin stimme horent , nit inbeswerent
uwer herze' und abov 6) 'der da hat oren zu horene der höre waz der geist
der kristenheide sage', waz sprichit er? 'kummet, lieben kint, horent mich,
gotes worte sal ich uch leren. Nu laufent die wyle daz ir hant daz licht 20
dises libes, daz uch die vinsternisse nit inbegriffen, und unse herre suchet
undir der menigen sinen wercman, deme er iz zu spreche Sver ist der mensche
i) Gewöhnlich vn, Jauchen seltener vnd, und und unde 2) v übergeschrieben 3) gerichet
4) danach hat ausgestrichen 5) sich 6) ab
— 2 —
der daz leben wil und geret ') zu sine die gude dage?' und obe du diz hörest
und anwirthest 'daz bin ich', so sprichit dir got zu Svilt du han d«z ewige
leben, so were dine zunge von ubele und dine lespen, daz sie inkeine loisheit
insprechen. Abe kere dich von ubele und du d«z gude, vordere den frieden
5 und folge im na, und als ir diz gedut, so sint min äugen über uch und min
oren zu urem 2) gebede, unde ir mich anrufet, so sal ich gereit sin', waz ist
uns suszere, liebe 3) sustere, danne die stimme unsers herren der uns zu ime
ledet? Er zeuget 4) uns mit siner miltekeide den weg des lebenes.
Durch daz umgorten wir unse lenden mit deme glauben und mit der
10 ubungen guder werke und varen sine vart, d«z wir in muzzen sien der uns
ledet in sin riche. wollen wir wonen in deme gezelde 5) sines riches, wir
inmogen dar nit kummen dan mit guden werken. Nu fragen wir unsern
herren mit deme propheten 'herre, wer sal wonen in dinem gecelde, obir (i°)
wer sal ruen in dime hoyn berge?' Nu vernement wir G), liebe sustere, unsern
15 herren antwortende und uns zeuginde den weg sins geceldis und alsus
sprechende cwer dar in geit ane flekke 7) und wirket daz recht, der da sprichit
die warheit in sime hertzen, der keine losheit inbegeit mit siner zungen, der
kein obil nit indut sime ebenkristin, der kein idewiz nit 8) infint wieder sinen
nesten, der den duvel mit aller siner obeler spanungen versmet und verwirfet
20 von der ansichte sins herzen, die got vortent und irhebent sich nit von irn
guden werken, danne waz gudes an yn ist, daz bekennent sie unseme herren,
der iz an yn wirkit, und lobent in mit deme propheten und sprechent cNit
uns, herre, nit uns, wan gip dime namen lob und ere'. Alse sancte Paulus
ime selbe nit inbekante ") von siner predigadyn, dan er sprach Von godes
25 gnadin bin ich waz so ich bin' und aber sprichit er cwer sich frauwet, in
gode frauwe sich'. Hinabe I0) sprichit unser herre in dem ewangelio 'Der min
wort höret und dut sie, der is gelich eime wisen manne der sin hus cim-
mereth off dem steyne. Die fluthe quamen, die winde waten und stiszin an
d«z hus, und iz invil nit, wan iz waz gevesteget off den stein', diz irwullit
30 got an uns und warthet aller degelich , wie wir sinen heiigen manungen ant-
wirten mit unsen werken. Durch daz sint uns die dage dieses lybes zu
vriste verlaszen und daz ubele zu lazzene, als der apostolus sprichet cNu
I) gerecht 2) vremede (nach dem folgenden Wort verschrieben) 3) liebe doppell
4) zuget 5) gegezelde 6) vwir 7) fleckke, c iiberpunkliert 8) me; oder lies nie?
9) inbekanten 10) hin aber.
weistu ') nit d<?z godes gedult dich leidit zu beruwenisse 2), wan der milde
herre er sprichet 'Ich inwil nit den dot des sunderes, wan daz er bekeret
werde und lebe'. ]\u wir gefraget han, liebe sustere, unsern herren, wer
da wonen 3) solle in sime gecelde, nu horten ') wir daz gebot der wonungen.
und is daz wir irwullin daz ambit des buwes, so werden wir erbin des hym- 5
melriches. durch daz bereiden wir unser herze und unsen lichame zu dinne
den geboden der heiigen gehorsamkeide , und daz unse nature minre gedun
mag, des bedet unsen herren daz er uns sine gnade zu helfe sende, und
wollin wir flieen die pine der hellen und vollenkummen zu deme ewigen
lebene, die wile wir die musze han und in disem libe wonen und alle zyt 10
die Stade han zu irwullende . . . . , wie mir nu daz hie vollenbrengen das uns
ewecliche muge frumen. Durch daz ist uns gesatzit die regule des gotlichen
dinstes, da uns nit scharpes, nit sweres an gesatzit inist: dan kummet dar
ein wenig getwanges ane, alse daz recht gewiset durch bezerunge der sunden
und durch behaldunge der minnen, des insollen wir nit uns so irveren daz 15
wir flien den weg des heiigen, des mit eime eingen (2») anbeginne zu be-
ginnene ist. Mit der vorderunge des lebenes, mit deme off gedame herzen
des geleuben, mit der unzellicher suszekeide der minnen uns ist zu gane der
weg des godes gebodes, daz wir von siner meisterschaffe nummer ingescheiden,
daz wir an siner lerungen vollenhirtin in deme clostere biz an den dot, und 20
also deilheftig sin mit unser gedult siner geduldekeide , daz wir auch sines
riches semenlich werden muszen.
Du ebdisse 5) di da wirdig ist in deme clostere der meisterschaffe 6), II.
sie sal ummer gehogen wie sie geheizen sy und sal irwullin den namen mit
den werken, wände sie ist gesatzit zu begane daz ambet des heiigen Xpristes 25
so lanc sie geheizin 7) ist mit sime namen, also der appostolus sprichit cIr
hat infangen den geist der irwnsce der kinder, in deme wir rufen: abba vader'.
Durch daz insal sie nit über godes gebot leren ober setzen 8) ober gebiden,
dan ir gebot und ir lerunge sal getemperet werden in den gedenken der
jungersen alse ein hebesal des gotlichin rechtes. Si sal ummer gehogen daz 30
sie ire lerungen und der jungersen gehorsamkeide rede geben sal in deme
1) wistu 2) berufenisse 3) wonende 4) hören 5) ebisse
7) geheiztin 8) seten (secen ?)
freislichime godes orteile, und wisze auch daz, d«z iz alliz gezalt wirr, an die
scholt der hirdersen waz der husherre minre nuzzes vinden mag an den
schaffen. Aber also vil so si fliszes gekeret zu der ungeduldigen und zu
der ungehorsamer herden, und also sie alle ir sorge gewendet zu irren
5 cranken werken , also ville sal sie ledig sin in derhe godes urteile, so sal
sie sprechin mit deme propheten 'Din recht inverbarg ich nit in mime ')
hertzen, dine warheit und din heil sprach ich, und sie versmedin mich', und
dan zu lezes sal die pine des ewigen dodes gewalt han *) ober die
ungehorsam schaf.
10 Durch d«z wanne etliche infing den namen der ebdissen, mit zweivel-
diger lerungin sal sie vor wessin iren jungersen: alle Jude 3) dinc und heilige
dinc sal sie zeugin me mit irren werken dan mit den Worten, d«z sie de«
vernumstigin godes gebot mit Worten 4) vor lege, aber den 5) hartdis herze und
den einveldigin mit den werken, und waz sie ir jungersen leret zu vermiden,
15 des insal sie selbe nit began, d«z sie an ire lerungen berespet nit inwerde,
noch drtz got etwan zu ir nit spreche Varumme vorzaltes du min recht und
nimes min Urkunde in dinen munt? Du hetzte die zucht und würfe mine
rede hindir dich, und du da sege in diner suster äugen die agene, in dime
seges du des balken nit?' Sine sal nichei« underscheit han der sustere, d«z
so sie eine me minne dan die andere, iz insi dye sie bezer vindet in guden werken
und in gehorsamkeide. Die edele sal nit vor gesatzit werden den unedelne, iz insi
mit redelichin Sachen, und ist iz daz dßz recht also gewiset und iz dye ebdissen (213)
gut dunkit, so jpag sie iz wol dun. Ist iz aber anders, ir ieclich behalt ir stat:
wände weder 6) sie eigen aber vri si, wir sin alle ein 7) in dem heiigen
?5 Criste und dragen geliehen einen dinest under eime herren, wan iz inist keine
underscheidunge der menschen vor gode, dan in ein wis werden wir under-
scheiden vor ime: wilche underwunden wirt otmodigere und in bezzeren
werken dan ein andere. Durch d«z sal ein andere geliche minne sin under
uns und eine zucht erboden 8) werden ieclicher na irre 9) wirdekeide.
so J)ie ebdisse sal ummer an irre lerunge die gewonheit des aposteln halden
da er sprichit 'berespe, beide, schilt', d«z ist d«z sie undermengen sal die
bittere wort pen senften. Sie sal zeugen irn grimmen willen als du meisteren,
irn senften willen also du müder, und sal die unzochtigen und die ungedul-
1) mlfne 2) gewant 3) iude nach iungersen verschrieben? 4) vorten (nach dem
folgenden Wort verschrieben?) 5) din 6) werdent 7) allein 8) eboden 9) irme
digen scherpliche berespen, aber die gehorsamen und die geduldigen bidden,
daz sie wrbaz varen in den dogenden. Aber die versumenden und die
versmenden ') sal sie scheidin und kestigen. Sye insal auch nit intlichesen
die sunden der missedungen, wan also schire so sie beginnent zu waszene,
so sal sie sie uz reufen mit der worczeln so sie meist mag, und gehuge des r>
freisen 2) des pristeres von Sylo. Die gezogene und die vernumstige müde
sal sie berespen mit Worten eins und anderwerbe manende. Aber die
harten und die stolzen und die ungehorsamen sal sie twingen mit siegen und mit
kestigungen des libes an deme anbeginne der sunden, also do geschreben ist
'Die dumme inwirt nit mit Worten bericht', und aber 'Slag dinen son bit der 10
rüden und so salt du irlosen sine sele von dem dode.'
Dye ebdysse sal ummer gehogen waz sie ist und wie sie geheizin 3) ist,
und sal wiszen, deme do me bevolen wirt, von deme wirt me geischet. Sie
sal auch daz bekennen, wie starg und wie ho ein dinc sie intfangen hat die
seien zu berichtene und mangere siden zu dinene. Etliche sal sie berichten 4) 15
mit senftekeide, etliche mit scheldene, etliche mit spanene, und na einer 5)
iclicher gelegenheide und vernumstikeide sal sie sich in allen gebilden und
gewugen, daz sie kein zugenisse der bevolenden herten indulde, wan 6) daz
sie sich in ire mersalungen vrauwe. vor allen dingen so inversume 7) nit daz
heil der seien die ir bevolen sint, Also daz sie mere sorge drage zu dissen 8) 20
irdischen dingen die zugengelich sint, Dan sie denke ummer wie sie die seien
infangen hat zu berichtene, vor die sie rede sal haben, und daz nit geschul-
digit inwerde von der minneren 9) Sachen, so gedenke waz da geschriben ist
'Zu aller erste suchet godes riche und sin recht, und alle disse dinc sollen
uch zugewrffen werden', und aber 'Nit ingebrichit den die got vochtent'. (3a) 25
Sie wizze auch daz die da infingit die seien zu berichtene, sie bereide sich
auch vor sie rede zu gebene, und also grosze zale der sustere so sie under
ir hat zu besorgene, also vil bekenne sich ane zwivel in deme urteilis dage
gode 10) rede zu gebene vor ir allir seien und danne vor ir selbis sele, unde
halt ummer vorte vor daz zucunftige urteile des obersten hirtin von den be- 30
volenden schaffen: wan die wile sie angist hat vor die fremde, so sorget sie
destu me vor sich selben, und die wile sie nutze ist den andern mit irre
manungen n), so wirt sie seibin gebeszeret von irren sunden.
1) versmeden 2) frissen 3) geherzit 4) berichtene 5) naer 6) indulge von
7) inversumet 8) dischen (nach dem folgenden Worte verschrieben} 9) minnen 10) gude
1 1) manugen
HI- Also ') dicke so it groszliches ist zu dune in deme clostere, die ebdisse
zusamen lade alle die samenunge und kundige irren willen, und also sie ge-
höret der sustere rat, so kere irn gedanc darzu, und daz sie daz nutzeste
dunkit, daz du. Durch daz sollen sie alle darzu geladet werden, wan dicke
s got iroffenet der jüngeren daz des notzes ist, und sollen alsus die sustere
recht geben mit omuttekeide, noch insollen nit gedurren freveliche bescirmen
daz sie gut dunkit, dan iz sal sten in der ebdissen wiltcore, und waz sie
nutzeste dunket, des gehevet ire, wan also den jungersen geciemet zu gehor-
samene der meistersen, also gezimet ir gewerliche und rethe alle dinc zu be-
10 sezene. Durch daz sollen sie alle in allen dingen nafolgen der meisterscheffe
der regelen noch van 2) ir nummer gescheiden. Ir keine sal nafolgen irs
eigenen herzen willen, noch ingedurre 3) frevelichen streven mit der ebdissen
innewendich noch uszwendich des closters, und die 4) diz versumet, di sal
underligen der buzen 5) al na der regelen. Aber die ebdissen sie sal iz allez
15 dun mit godes vorten 6) unde mit guten ') der regeln , und wisze daz ane
zwyvel daz sie von allen ieren urtdeilen gode deme riehen dumere rede geben
sal. waz aber minre sachen zu dune ist in deme clostere nutzeliche, des
habbe ockert der altfrauwen rath, als da gescriben ist cAlle dinc du mit
rate, dar na inberuwet iz dich nit.'
iv. Von den guden werken.
20 Zu aller ersten sal man got mynnen mit alme herzen , mit aller seien,
mit aller crefte, dar na den nesten also sich selben, dar na nit irslan, nit
obirhoren, nit stelen, kein fals Urkunde sprechen. Ere alle menschen, und
waz du wilt daz dir nit ingeschie, daz indu eime andern nit. Sin selbes sal
man verleukenen und Kriste nafolgen. Den lychame kestigen, der gelüste
25 nit gern , di 8) vaste minnen , den 9J armen laben , den nakethen cleiden,
den sichen wisen, den doden begraben, zu allen noten helffin, den swer-
mutdigen trusten, von werlichen dingen (3b) sich fremde machen, Godes
mynnen nit versetzen, keinen zorn nit vollenbrengen , den zorn inkeine
cit lü) behalden, Bosheit in deme herzen nit han, falsen frieden nit geben;
30 Die minne nit verlaszen, nit sweren, daz man sich nit inverswere, die
I) kein Absatz. 2) wan 3) noch insal ingedurne 4) obe die 5) uderligen des
bozen 6) Worten 7) verderbt; observatione Ben. 8) Du 9) der 10) in keinen eit
— 7 —
warheit mit herzen und mit munde vor bringen, übel weder obil nit geben,
nit unrecht dun, widermude geduldeclichin verdragen, dine72 vinden minnen,
den fluchenden nit wieder fluchen, wan J) den wyder segene«, ungemach
liden durch daz recht, Nit stoltz wesen, nit wingyr, nit freislich, nit slaferlich,
nit triege, nit murmelersen, nit achtersprechersen, sine hoffunge gode bevelen; waz 5
gudes an yme ist, daz bekenne gode, nit ime seibin. Den dag des ortdeilis sal
man vochten, der hellen angest han, Gern den ewigen lib mit geistlicher gerungen,
den dot allerdegelichen vor den äugen dragen, Die dede sines lebenes alle
zyt huden, vor war wizzen daz in unser herre 2) in allen steden an siet. Die
ubele gedenke de« herzen zu kummende zu hant werfen an Krist und 10
deme geistlichen altherren 3) offenbaren. Sinen munt vor bösen reden huden,
vil zu sprechene nit minnen, Idele wort und spotliche nit sprechen, grosz
lachene und ungemezze nit minnen. Die heiige leczen gerne hören, deme
gebede emizliche anne stan, daz vorgedane ubil mit trenen und mit sufzungen
alle dage gode in sime herzen und in sime gebede clagen und vorbaz d<2z ir,
ubil bezzeren, Die gerunge des fleisches nit vollenbrengen , den eigenen
willen haszen, Der ebdissen gebode in allen dingen gehorsamen, allein du sie
anders, daz got inwolde, und gehuge des gotlichen gebodes cdie sie uch
heiszent dun, die dut, die sie aber dunt 4), dine dut nit'. Nit wollen heilig
geheiszen werden e iz sy, wan e heillig werden, daz man werliche spreche. 20
Godes gebot allerdegelich mit den werken vollinbrengen, Reinkeit minnen,
nyeman haszen, zorn und nit vermiden, Gestride nit minnen, homut flieen,
Die alden eren, Die jungen minnen, in godes liebe vor die vinde beden, mit
den missehellenden czu friden kummen e die sunne under ge, von godes
barmherzekeide nummer missehoffen. Diz sint die wafen der geistelichen 25
liste, werdent sie von uns unverdruszeliche dag unde nach irvullet 8) und
in deme urtdeilis dage gode wieder bekant, der Ion sal uns weder gegebin
werden den got geboden hat, den nie äuge gesach noch ore inhortein noch
herze ingedachte, den got gereicht hat den die minnent.
Von der gehorsamkeide 6). v.
Der erste grat der otmudkeide ist die gehorsamkeit 7) ane wile. Du 8) 30
gevellet allen den die nit liebers inhant dan unsen herren Crist. Durch den
I) von 2) unsen herzen 3) t halb ataradiert 4) dut 5) unde wollet nach ir
6) die Ueberschrifl am Rande 7) gehorsämkeit 8) Do
heiligen dinst den sie gelobet haut oder durch die vorte der hellen ') obe
durch die gnade des ewigen libes, also schiere so in it geboden wirt von ire
meisteren, d«z inmerent sie nit zu erwullene als iz in von gode geboden sy.
Von den sprechet unse herre 'Mit der horungen des oren gehorsameden sie
& mir', und aber sprichet er zu den lereren 'Der uch höret (4a) der höret mich'.
Dise alsus solich die ires eigendummes und irs eigenen willen vercient und
ledegunt ire hende und laszent unvollebracht, 2) darumbe daz sie bit gereiden
wusze navolgen 3) der stimmen des gebodes mit den werken, d<zz in einer
hantwilen d«z gebot der meisteren und die werch der jungersen mit snel-
10 heide der godes vorten 4) irvullet werden, disse hant flizze und minne zu
varene zu deme ewigen leben. Durch daz grifent si den engen weg von
deme unse herre sprichit 'Enge ist der weg der zu dem libe leidet' d«z sie
na irre wiltcore nit inleven noch na den gerungen 5) irs libes nit ingen, wan
d«z sie under der ebdissen in den clostere wesende irme gebode zu gehor-
15 samene in allen ziten gerecht sin. Ane zwivel, welche alsus ist, di navolget G).
den Worten unsers herren da er sprichit 'Ich inquam nit zu dune minen
willen, danne des der mich sande', und disse selbe gehorsamkeit ist dan an-
fenclich unseme herren und susze den luden, obe Aaz gebot irwullit wirt ane
trachkeit und slafheit und ane murmulunge und ane wiederSprache, wan die
20 gehorsamkeit die man der meistern irbudet, die wirt gode gedan, wan er
sprach 'De uch höret, der höret mich', und mit gudem müde sal sie von den
jungersen erboden werden 7), wan den 8) frolichen geber s) den minnet got.
und iz d«z die jungersen gehorsamet mit Unwillen und beide mit munde
und mit herzen wider murmelet, allein irwullit sie d«z gebot, iz ist doch
25 gote undenclich, der dßz unwillige herze ane siet, und alsus umme gedane dat
inirvolget sie nit keinen Ion, wan sie gewinnet pine der murmelungen, abe sie
mit ruwen nit inbuszet.
VI.
Von der stille.
Nu dun wir drtz der prophete sprichit. Er sprach 'ich sal huden mine
wege, drtz ich nit insunde mit miner zungen. Ich satzte mime munde hude,
30 ich verstummede und wart geotmutdigit und ich gesweig von guden dingen'.
1) die worte der heiigen 2) yn vollebrach; danach Lücke (quod agebant Ben.)?
3) nauolge 4) Worten 5) geriten 6) nauolgent 7) werde 8) die 9) geberde
Hie zeugit uns der prophela, obe man von guden reden etvvanne geswigen
sal durch die stille zu haldene, michel me sal man gecessen von ubiln Worten
durch die pine der Sunden zu virmidi/ze '). Durch daz wirt den dorechtigen
jungersen seiden urlaub gegeben zu sprechene auch von guden und von
heiigen reden durch die stille zu haldene, wan ä) da gescribin stet In vil- s
sprechene inflies du die sunde nit', und aber cBeide dot und leben liget in
den henden der zungen'. Sprechin und leren gecimet der meisteren, swigen
und hören gevellet der jungersen, und durch dat waz so nutzlicher reden
von der mesteren iz zu vorderne, daz sal man mit otmudkeide und mit
züchten suchen, daz sie nit me indurste sprechen danne daz nuzze sii. 10
Gerune 3) und muzzige worte die den spot hebent, die verbieten wir in allen
steden, und zu also gedanen reden instade wir (4k) nit keiner suster den
munt off zu dune.
Von der otmudkeide. vir.
Liebe sustere, die gotliche schrift ruft uns 4) und sprichit 'Ein 5) iclich
der sich irhebit, der wirt genidert (1), und der sich genidert 6), der wird ge- 10
hote'. So lanc sie diz sprichet, so zeugit sie uns, daz aller hande irhebunge
des kunnis 7) si der stultzheide, von der sich der prophete huden wolde und
sprach 'herre, myn herze inwart nie irhoet, noch myn äugen inworden nie
irhaben , noch ich inginc nit in ungezemen dingen noch in wunderlichin
dingen ubir mich, waz dede ich dan? Abe ich mich nit otmutdige inversan, 20
und ob ich irhup mine sele, so Ion miner seien, Alse sich dßz inspannete
kint gehabet zu siner müder'. Durch daz, liebe sustere, wolle wir gereichen s)
die hoe der obersten otmutkeide und snelliche vollenkumen zu der him-
melscher irhoungen, dar man stigen sal mit otmutkeide disses gegenwurt-
digen libes, so wirt uns uff zu stigene mit guden werken die leitere uff ge- 25
rieht, die herren Iacobe inschein in de;« draume ü), da im die engele nider
stegende und off stegende irzeugit worden. An deme uffstigene und an dem
nederstigine der engele mögen wir ane zwivel I0) daz verstan daz wir mit
otmutde nider stigen und mit otmutde off stigen. Die offgerichtge leitere daz
ist unse leben in dirre werlde, daz mit otmudigeme herzen von gode uff ge- 30
rieht wirt zu hemele. Die zwen leiternbeume sint unse Hb und unse sele,
1) uirmidfe 2) van 3) gerume 4) uus 5) Eein 6) gehindert 7) kvms
geriehen 9) dreume 10) zwiuel sal man
~- iö ■—
de« unse herre manger hande sproszen der otmudkeide und der zucht off zu
stigene ane gesatzt hat.
Von den Worten.
Diz ist der erste grad der otmudkeide, d«z die suster godes vorte ])
ummer vor den äugen drage 2), bit alle« flie 3) vergeszenheit und ummer
5 gehugic 4) sie alles des got gebute, und darane denke , wie den die got
versment 5) die helle vor ire sunde gelobet ist, und ummer in irme müde 6)
drage 2) dan den ewigen lib der den die got vochtent gereide ') ist. Sie
hude sich alle cit von sunden der gedenke, der zungen, der äugen, der hende,
der wuzze, des eigenen willen, und ile die gerunge des fleisches zu vermidene.
10 Sie sal merken d«z sie von gode ummer und alle zyt beszauwet wirt von
dem hymele und ir dede in allen steden gesien werdent von der anesichte
der gotheide und gode von den engelen alle zyt gekundigit werdent. D«z
kundigit uns der prophete, wie got unsen gedenken ummer gegeinwordich
ist und sprichit "Got er irsucht die herze und die lenden', und aber sprichit
15 er cGot bekennet die gedenke des menschen d«z sie ydel sint', und aber
cHerre, du s) bekennes mine gedenke von verne 9), und d«z der gedank des
menschen dir begien sal'. Und daz die nutzze ummer sorghaftig si umb
idele gedenke, so spreche in irme herzen 'Dan sal ich unbewollen 10) sin vor
gode, ob ich mich behuden von mime unrechte', unsen eigen willen ") wirt
ao uns beweret zu dune, so die scrift suz uns sprichit (5a) Von dine?« willen
kere dich', und wir beden auch ,2) unsen herren in unseme gebede d«z sin
wille an uns gewerde. Durch dtfz werden wir geleret unsen willen nit zu
dune, drtz wir des huden dßz die scrift sprichet cIz sint etliche wege die die
lüde gerecht dunkent 1S), und ir ende versenket 14) in den grünt der hellen.'
25 und aber sullin uuir vorhuden d«z von den versumenden gesprochin ist cDie
sint zubrochin und verwazentlich worden in iren gelüsten'. Durch Aaz mögen
wir wolle getruwen daz uns unse herre ummer gegenwortig ist in allen
gerungen unses fleisches, wan der prophete sprichet zu ime Vor dir ist alle
myn gerunge'. Durch d«z iz uns zu vermidene alle ubele gerunge, wan der
30 dot gesatzit ist bi den ingang der gelüste. Danabe gebudet die scrift cDu in-
I) worte 2) dragen 3) flisze 4) gehugit? 5) versmet 6) munde
7) gereiden 8) die 9) verme 10) unbevolen 11) willen wille 12) vch
13) dunket 14) versenke
— 11 —
salt nit gan na diner gerunge'. Durch d«z wan unsers herren äugen be-
schauwent gude und obele und got von dem hymmele sit ummer ubir die
menschen kint, döz er verneme ob ieman vernumstig ') si und got suchende,
und abe uns werk unseme scheppere gekundit werdent von den engein die -0
uns gesatzit sint zu huden dag und nacht, durch daz, liebe sustere, ist uns
vor zu warnene, als der prophete sprichit, daz uns got an heiner zit nit insi
abe kerende zu deme ubele und unnutze werden, und er uns danne schone in
dirre zyt, wan er gnedich ist und unser beidende iz, daz wir uns bekeren zu
bezzerne, daz er uns nit inspreche in deme zukunftigen dage 'diz dedes du,
nio
•
Daz iz der andere grad der otmudikeide, daz irn eigenen willen nit
gerne minne, noch nit ingere zu irwullene ir gerunge, danne si navolge der
stimmen unsers herren, der da sprichet 'Ich inquam nit zu dune minen willen,
dan des der mich santte. Der wille machet die pine, die notdorftikeit ge-
winnet die crone'. TerciwS. Daz ist der dritte grad 2) der otmutkeide, in
daz die suster durch godes minne underdenig si irre meisterschefte mit aller
gehorsamkeide und navolge 3) den herren von dem gescreben ist 'Krist wart
gehorsame sime vadere biz an den dot\ QuartuS. Daz ist der virde
grad der otmutkeide, daz sie in der selben gehorsamkeide bit stillicher sam-
witzkeide gedult hat ingegen 4) allen wederwurdigen dingen und weder alleme 20
unrechte daz ir gedan wirt, noch daz sie an der geduldikeide nit inslafe noch
van 5) ir nit inscheide. die scrift also sprichit 'Der da hyrtet biz an daz ende,
der sal genesen', und aber 'Gesterket werde din herze unde dulde unsen herren'.
und abir zeugit die scrift, daz der selige mensche sulle verdulden alle weder-
wurdekeit durch unsen herren , und sprichit vor die geduldigen 'Durch dich 25
werden wir irslagen, (5b) degeliches wir sin geachtet also die schafe die zu
slane gereit sint', und die seligen , die sicher sint von der hoffungen des wir-
digen lones, sie frauwen sich und sprechent 'In allen dissen dingen ubirwinden
wir durch den der uns minnede'. und in einer andern stat sprichit die scrift
'Herre, du hast uns besucht, du hast uns gelutert in deme füre, als daz silber 30
gelutert wirt. Du hast uns geleidet in den strig, du hast gesatzit die quäle
off unsen rucke', und daz sie gezeuge uns under der meistern zu wesene, so
sprichit sie aber 'Du hast die menschen gesatzit ubir unse heubit'. Durch
daz, du da irvullin wilt godes gebot, unrech und wedergemude duldene,
[) vemunstig 2) rad 3) na volgen 4) hant ingangen 5)
— 12 ^
wirt sie geslagen an einen backen, sie budet auch den andern ; wer ir nemet
den rok, sie budet im auch den mantel; wirt sie betwungen eine mile, sie
geit andere zwo; und bit deme apostolo Paulo duldent sie falsche sustere,
und deme fluchenden wieder fluchent sie nit. Def IUIllte. Daz ist der
■> fünfte grad ]) der otmutkeide 2), d«z sie alle ubele gedenke irme herzene zu
kummende und alle virholne missedat bit otmudger bigithe ir ebdissen nit
inverhele, als uns die scrift trostit und sprichit 'Iroffene gode dinen weg und
hoffe an in', und aber 'Begiet 3) gode, wan er ist gut, wan sine erbarmherzekeit
wert an daz ende', und aber sprichet der prophete 'Dine sunde det ich dir
10 kundig und min unrech inverbarg ich nit. Ich sprach 'ich sal gode begene
min unrecht wider mir, und du virlizes mir die bosheit mines herzen.' VI.
Diz ist der seste grad der otmutkeide, daz die suster sich zele undure und
versme, und ir d«z genüge, und daz sie sich in allen den dingen die ir geboden
werdent zu eime undureme wergwibe *) bezele, und spreche mit deme pro-
is pheten 'Zfi nichte bin ich worden und ich inwistiz nicht. Als ein ve bin ich,
herre, worden vor dir, und ich bin iedoch ummer mit dir'. VII. Diz ist der
sehende grad der otmutkeide , daz sie sich nit alleine bit der züngen , dan
auch mit alme herzen bekenne undure und nidere vor den andern, und otmut-
dige sich und spreche mit deme propheten 'Ich bin ein worm und nit ein
20 mensche , edwiz der lüde und verwurfnisse des Volkes. Ich waz irhaben und
bin genedert und geschant'. und aber 'herre, iz ist mir gut daz du mich
genidert hast, daz ich lerne dine gebot'. VIII. Daz ist der achte grad
der otmudkeide, daz die suster nit indu dan 5) daz die gemeine e) regele
des closters und die vorbilde der obersten manet zu dune. Villi. Daz ist
2". der nunde grad der otmudkeide , daz sie ire zunge bewere zu sprechene
und die stille halde und nit inspreche danne gefraget, wan die scrift sprichet
'In manigfeldigem sprechen influet man der Sunden nit, und der cleffesche
man wirt nit berichtet off der erden'. X. Daz ist der zehende grad der
otmutkeide, (6a) daz sie nit lichte insi noch gereit zu lachene, wan da
30 gescriben stet 'Der dumme irhebet mit lachene sine stimme'. XI. Daz
ist der eilfte grad 7) der otmudkeide, daz die suster, so sie sprechen sal,
mit otmutkeide und mit ernste s) senfteclichen und ane spot redeliche wort
und unmaniche 9) spreche 10), und nit mit rufelicher stymmen, wan alsus
i) rad, g übergeschrieben 2) otmukeide, t übergeschrieben 3) Beiget 4) vndereme
wergwe 5) dz 6) gemine 7) rad, g übergeschrieben 8) erste 9) ane maniche
10) sprehen, c übergeschrieben
— 13 —
gescrieben ist 'Der wise wirt bekant mit uwmanechen worten'. XII. Daz ist
der zwölfte grad der otmutkeide, d«z sie nit alleine bit deme herzen, dan
auch mit geberden des libes die otmudkeide den andren zeuge. daz iz in
werken, in gebede, in dem munstere, in garten, in wege, in velde aber
wo sie sy, sitzenne, gande, stände, si sal ummer bit geneugeti/« heubte und ■•
die äugen zu der erden gekeret sin und sich schuldig bekennen alle zyt von
iren sunden. sie sal sich geinwordich wizzen de;« vochlicheme godes ort-
deile, und sal sprechen in irme herzen daz der publicanus mit genedirtin
äugen zu der erden in dem ewangelio sprach 'herre, ich sundich mensche
inbyn nit wert myn äugen off zu hebene zu hymmele', und sprach aber 10
mit deme propheten 'Ich bin gecrummet l) und genedert allenthalben', wanne
die suster alle disse grede der otmutkeit off gestiget, dan vollenkummet 2) sie
zu der mynnen unses herren zu der durnechtiger minnen die die vorte 3)
uz verdribet. Byt der seibin minnen beginnet sie zu hudene ane alle arbeit
mit gewonheide alle die gebot die sie ie hilt nit ane vocht, wan sie ge- ir>
winnet von der gewoneden gude gerungen der dogende, nit von vochte
der hellen, dan von vocht und von minnen unses herren, die er an sinew
wercwibe, die er gereinigit hat von sunden, mit deme heiligeme geiste
iroffenen sal.
Der prophete sprichit 'Sebinwerbe in deme dage lobete ich dich, herre'. XVI.
Der heiige sebenfaldige rume 4) sal von uns irwullit werden, daz wir die
ambt unses dinstes irvollen zu der metten und zu der primen, tercien, sexten,
nonen , vesperen und completen , wan 5) von dissen geziden sprichit der pro-
phete 'Sebenwerbe in dem dage lobede ich dich, herre', und von der metten
sprichit der selbe prophete 'Ich stund off zu der mitternach zu lobene dich, 2»
herre'. Darumme in dissen ziden sullen wir loben unsen scheppere ubir die
urtdeile siner rechtekeide.
Von gots dineste. xix.
XJvir gelauben daz godes gegenwortkeit allenthalben si und sin äugen
in allen steden ane sin gude und ubele, und iedoch ane zwivel aller meist so
wir zu godes dinste sten. Durch daz sollen wir ummer gehugen des daz der 30
prophete sprichit' Dienet gode mit vochten' und aber 'Singet wislich' und 'in
1) gecrumet 2) willen- 31 die ddie worle 4)
— 14 —
der anesichte der engele loben ich dich, herre'. Durch daz merken wir, welich
wir wesen sullen in der anesichte der gotheide und der ') engele, und sten
wir also zu singene daz unse gedank sammenhelle unser stimme.
öo lanc so wir mit geweidigen luden inkeyne sache werben, danne nit
5 irbalden wir dan mit otmudkeide und mit züchten. 2) michel me sollen {&>)
wir gode fleen mit otmutkeide und mit reinekeide und wizzen daz daz er
uns gehöret nit in vilsprechene s), wan mit reinekeide des herzen und in ruen
der trene. Durch daz sal unse gebet cusz und reine sin, yz inwerde dan er-
lenget von demme geiste der gotlicher gnaden. Iedoch in deme convente sal
10 iz gecurziget werden , und sollen alle uff stan egelich zu deme zeichen der
pn'olsen.
xi. Von den dechenen.
Ist die samenunge it grosz, so kise man under in sustere gudes 4) urkundes
unde 5) gudes lebenes, und die werden gesatzit zu dechene, die ummer sorge
haben in allen iren ambeten al na godes gebode 6) und der ebdissen '). Die
15 sal man alsolich kiesen daz die ebdisse ire bürden sicherlich under sie deile 8).
Noch die insullen nit gecorn werden na ordine, danne na wirdekeide irs lebenes
und na wisheide irre lerungen, und iz daz ir keine mit stolzheide sich irhebet,
die sal man berespen zwirnt und dritwerbe, und inwilt sie sich nit beszern,
man insezze sie und setze ein andere in ire stat, die des wirdic sy, und also
20 du man auch von der probsten.
sii. Vo« slafene.
Sunderliche sollen sie off irren betten slafen, und iren bettegewant sollen
sie haben alse die ebdissen gesetzet na der maszen irs lebenes. Sie sollen
alle in einer stat slafen, ob iz wesen mach. Ist aber die menige groz, so
slafen zegene oder zwenczig bit etlichen altfrauwen, die obir sie sorge haben.
25 In deme slafhuse sal eine kyrce burnen biz an den morgen. Gecleidet sollen
l) under 2) zuchen 3) inwil sprechene 4) godes 5) vndes 6) gebodes
7) ebissen 8) deilen
— 15 —
sie slafen und gegortet bit gorteln, und kein meszer insollen sie by yn han,
daz sie slaffent gewundet nit inwerden, und daz sie ummer gereit sin ane
merrunge zu deme zeuchene off zu stane und ir ielich ile vor die andere zu
godes werke mit ernste und mit gudekeide. Die junge sustere inhaben kein
bette by einandere, danne undermenget mit den altfrauwen, und alse sie off 5
Stent zu godes werke, ein ieclich mane die andere und wecke sie von dem
slaffe.
Von dem vreden. xxih
Obe keine sustere werde ober ungehorsam ober stoltz oder murmellene
oder in keinen dingen wederwurdich wesende die heiige regele ]) unde die ge-
both der altfrauwen versmet, die sal gemanet werden al na godes gebothe 10
eines und aber geswesliche 2) von den altfrauwen. Inwilt du iz nit beszeren,
so sal iz berufen werden offenbare vor in allen, und abe sie sich noch dan
nit inbezzereth, und obe sie doch wolle versteit waz buszen dar na folget,
so sal man sie scheiden von der gemeinschafte. wil sie aber vollenhyrten,
so sal man sie kestigen an deme lybe. 15
Von der lichten schult. XXIV
Na der maszen der schulde sal die masze gedan 3) werden der uszschei-
dunge und der kestiungen, und die mazze der schulde sal stan in ortdeile
der aptissen. und iz daz etliche funden wirt in lichteren schulden, die werde
gesunderet von der samendeilungen des (7a) disches *), und der sal daz gesatz
werden, daz sie in deme core noch salm noch antiphene an inhebe noch letze 20
inlese, biz sie gebuzzet. Noch irre libnarunge insal sie nit nemen wan alse
die andere sustere geszen hant. Ezzent sie zu sexten, so neme iz zu none,
Ezzent sie zu nonen, so neme iz zu vesperen alse lange biz sie mit der buzzen
gnaden irvolgit.
Von der grozzew schult. xxv.
Die suster die mit meren schuldin behabet wirt, die sal man scheiden 2:,
beide von deme dische und von dem core. keine sustere insal ir zu gevuget
1) regele die heiige 2) geswegliche 3) gedanen 4) diches, s übergeschrieben
— 16 —
werden noch in geselschafte noch in sprechene. Sie sal alleine sin zu deme
werke daz ir gesaczit ist und sal vollenhyrten in der weinungen des berunisses
und vochten die freisliche rede des aposteln der da gebildet daz man soliche
gebe deme duvele zu quelene daz fleisz, daz der geist behalden werde an
s deme dage unsers herren. Die labunge der spisen sal sie alleine nemen na
der maszen und in den stunden als ire die ebdissen gesezzet. von keiner sal
sie gesenit werden die vor sie geit noch die spise die man ire gebet.
xxvi. Von den die sich zu wugettt den uz gescheidenen.
"Virsumet keine sustere sich ane gebot der ebdissen sich zu yre zu
gefugene mit sprechene oder mit keinen dyngen zu gesellischeffe '), die sal
10 geliche wize liden.
xxvn. Wie die ebdissen sorgsemig solle sin um die misseduftden.
Mit allem flize sal die ebdissen sorge haben umbe die missedunde
sustere, wanne des arzides inist keine notdurft den gesunden, wan den sichen.
Durch daz sal sie dun alse der wise arzath und sal ir zu senden wise aide
frauwen, die sie geswesliche 2) trösten in irre myssedede und irmane sie zu
15 bekentnisse der otmudkeide und getrosten sie also daz sie mit missetroste
virloren nit inwerde, danne, als der appostolus sprichit, d«z die minne in ir
gevestenet werde und d«z gebethet werde vor sie von in allen. Die ebdisse
musz des grosze sorge haben und sal d«z mit groszeme sinne und mit wis-
heide bewaren, döz sie der bevollender schafe keine invirliese, und bekenne
20 d«z daz sie sorge intfangen hat der sicher seien und ubir die gesunden keine
grimheit, und vochte auch die drauunge des propheten, durch den unse herre
sprichit 'Daz ir veizet saget, daz namet ir, daz da crank was, daz verworfit
ir', und navolge deme guden bilde des milden hirten, der da liez nun und
nunzig schaf in den bergen und ging suchen ein schaf daz da verlorn waz.
25 Des irbarmete er sich also daz er iz off sine heiige assele lachte und weder
zu den herten bracht.
xxvm. \on den die dikke berespet 3) werdest.
Obe irne ein suster dicke berespit wirt umme ir schulde oder geschei-
den von der gemeinden und sich nit beszeren inwil, so musz man sie scher-
I) geselli8cheffe 2) geswegliche 3) berespet
— 17 —
pelichen berespen, daz sal syn (7b) mit siegen der bessemen, und obe sie sich
noch dan nit inbezzeret und sich in stoltzheide irhebet und ir unrech be-
schirmen wilt, so du die ebdisse als ein wise arcetisze. Obe sie sie gebeit
hat mit manungen und gesalbet mit gudeme tröste und gearzediet mit der
heiigen scrifte und zu lezzes gebrant mit der uzscheidungen J) und mit den 5
siegen der besemen und sie dan siet 2) daz al ir fliz nit inhilfit, so du dan
daz aller oberste dar zu, daz iz ir selbes gebet und alle 3) ir sustere vor sie,
durch daz daz unse herre, der alle kint macht, sine gnade an der sicher
suster wyrke. und ist iz daz sie noch alsus gedane wis nit geheilit inwirt,
so sal die ebdissen an ir nuzzen die wafen der abesnidunge, alse der 10
apostolus sprichit 'Nemet von uch daz ubele', und aber 'Obe die obele und
die ungelaubige 4j abe scheidet 5), scheide abe, daz ein sich schafe alle die
herte nit inbewelle'.
laufent °). xxix.
Obe ir keine 7) suster durch ir schult uz geit obe verstoszen vvirt von dem
clostere, und iz daz sie weder keren wil, sie gelobe aller erst alle bezzerunge 15
vor die messedat dar umme sie uz gevarn waz, und alsus werde sie weder
intfangen in deme nidersteme grade, daz ir otmutkeit da mede geprufet
werde, und kummet iz also daz sie aber zugeit, man sal driwerbe weder
intfain, und sider wisze daz, daz ir alle ir wederkerunge virsaget wirt.
V<m den kinden. xxx
.Aller hande alder und aller hande Vernunft sollen ir rechte masze haben. 20
Durch daz also dikke so die junge sustere ober die nit inwiszen, wie grozze
die wize sy der uzscheidungen ") von der gemeinden, also dise gesundent,
so sal man sie buzzen antwir !') mit grozzer vasten oder mit scharpen be-
semenslegen, daz sie gebezzereth werden.
Von der kelnersen. xxxi.
Du kelnersen des closteres sal gecorn werden von der samenungen 20
wise und guder sidde, reine und cusche, nit homudig, nit betrubelich, nit
1) uz scheiungen 2) seit 3) lies aller? 4) vngelubige 5) abeschidel 6) laufe
t
7) lies inkeine? 8) uzscheiungen 9) anwir
3
— 18 —
Wedermudich, nit trege, nit suinde, danne got vochtende, die aller der same-
nungen sy als ein müder. Sie sal besorgen alle dink. ane geboth der eb-
dissen insal sie nit dun. daz ir geboden wirt, d«z behude. Sie insal die
suster nit irzurnen. Obe etliche suster von ir unredeliche it geische '), si
5 insal sie nit smeliche bedruben, wan die redeliche mit otmutkeide versagen.
Ir seien sal si huden, und ummer sal sie gehugen daz der apostolus sprichet
'wer da wole gedinet, der gewynnet eine 2) gude stat'. Der sichere, der
kinde, der geste und der armen sal sie mit allem flize plegen, und daz ane
zwivel wizzen daz sie vor diz allez rede geben sal in dem dage des ortdeiles.
io Alle die vaz und die habent des closteres sal sie geheiliget wizzen alse die
vas des altares. Sie insal iz nit wenen zu versumene, noch sie insal nit
fliszic sin zu girheide noch die habent des closteres nit verdun, dan alle
ding sal sie na mazzen handelen al na gebode der (8a) ebdissen. Vor alle
dink sal sie otmutkeit han. hat sie auch nit der hebede zu gebene, gebe
15 gut antworte, als da gescriben 3) stet 'Gude rede ist bezzer dan keine gebe',
waz ir die ebdissen bevelet, daz habe under irre sorgen, und waz ir verboden
wirt, des underwinde sich nit. Sie sal den susteren ir gesatzte probende ane
wedersprache bereiden, daz sie nit betrübet inwerden, und sal gehugen unsers
herren Wortes, waz der verdienet der da betrübet einin der wenigere. Iz
20 daz die samenunge merre wirt, so sal man ir helfe geben, daz sie mit senf-
teme müde ir ammet irvollene mögen. Zu vellichen 4) ziden sal man geben
waz da zu gebene ist, und bidden waz da zu beddene ist, daz niman bedrubet
inwerde in dem godes huse.
xxxii. Vora der hebende.
Jjye habet des closters beide an gezogen und anne gewande und ane
25 aller hanne dingen bevele die ebdissen susteren von dere gudeme lebene und
guden seden sie s) sicher sy, und gebe iz in als iz nuzze sy zu behudene
und weder zu samene. Hynabe sal die ebdissen einen brif han, umme daz
obe 6) eine sustere abe ge und ein andere zu kumme, daz sie wizze waz sie
gebe intfae, und iz daz ir keine unschöne und versumeliche des godes huses
30 gut handelet, man sal sie berespen, und beszeret sie sin nit, so musz sie ge-
zuchtiget werden al nä der regulen.
i) geschge 2) eine eine 3) gescribet 4) welichen 5) vii 7) obe obe
— 19 —
Von der eigenscheffe. xxxm.
Allermeist iz die sunde bytalle zu virmidene und uz von dem clostere
zu virdribene, daz keine suster it neme oder gebe ane gebot der ebdissen,
obe it eigendummis habe in keiner hande dink, noch buch noch tafole noch
griffel noch bytalle nicht, den joch ir lip noch ir eigen wille ist in irre ge-
welde zu habene. Alle irre notdurfte sollen sie warten von irre müder. 5
Nit insollen sie han wan d«z in die ebdissen gebet oder gehenget. Allez sal
iz in in gemeine sin, noch ir keine insal nit eigenliches han. und wirt ir
keine bit dirre sunden begriffen und swerent dar umme iemant ') , inwil
sie iz nit bezzeren, so sal man sie dar umme zuchtegen.
Döz maw ielichim syn notclurft sal geben. xxxiv.
Iz ist gescriben von den aposteln 'Man deilite in sunderlichen also ir 10
ieclicheme noth waz'. Na dissen dingen insal man nit mirken der herheit
noch der niderkeit, wan 2) ir ielicher crankkeit. Die iz da minre bedarf, sie
'lobe got und inunfrauwe sich nit. die iz aber me bedarf, die otmutkeide
sich von irre crankheide und inthebe sich nit von der gnaden, und alsus
sollen sie alle in frieden wesen , und in diesen dingen insal keine mur- is
melunge uwzme keiner slachte 3\ weder in Worten oder in geberden, an yn
erschinen. und wirt ir keine da mide begriffen, die sal man dar umme
zuchtigen.
Diz iz von dinene. xxxv-
Die sustern sollen in undir ein dienen, noch ir keine in sal sich inschul-
digen von deme dineste der kuchenen, sine sie sich in etlichen notdurften 20
bekumberet: wanne da mede gewynnent sie groszen Ion und mynne. Den
cranken susteren sal man helf geben (8b), d«z siz ane unfreude gedun mögen
und ir ielich habe 4) helfe na der mazen der samenungen. Ist die samenunge
grosz, die kelnersen si ledig von der kuchenen und die an merreme notze
bekumberet sint. Die andere dinen under ein mit mynnen. wilche ir die *»
woche vollenbrenget, des samsdages 5) sal siz allez rein machen, die twelen
1) unverständlich; der lat. Text lautet quodsi quisquam huic nequissimo vitio deprehensus fuerit
delectari 2) von 3) kenerslaste 4) hafe {nach dem folgenden Wort verschrieben)
5) samsdages
3*
— 20 —
da sie sich an druckent sal sie weszen. Beide die da usz geit und die da
in geit, sie sollen allen den susteren ir wusze twan. Alle die vaz die zu deme
dieneste gehorent, die sal si alle gantz und reine der kelnersen off antwurten,
und sie sal sie bevelen der die da in geit, daz sie wisze waz sie gebe und waz
5 sie intfae. Die wochenersen sollen nemen e ezzenes zyt ane ir probende
brot und drinken, daz sy den susteren gedienen mögen ') zu revenere ane
murmelungen und ane arbeit. Aber in den hochgeziden sollen sie dulden biz
zu dische. Die wochenersen, beide die da in geit und die da uz geit, sie
sollen des sunnedages na mettenen in dem core dur 2) nider vallen und sollen
in beden s) vor sie beden. und die da uz gent von der wachen, die sollen disen
vers sprechen 'Benedictus es, domine deus, qui adiuvisti me et consolatus es
me\ Als diz driuerbe gesprochin ist und sie die segenunge intfet4), so
kume die in gande und spreche disen vers "Deus in adiutorium meum
intende', und alse daz dristunt gesprochin ist, so intfae die segenunge
l-i und ge in.
xvi. Diz ist vom den sichen.
Der sichen suster sal man vor allen dingen wol plegen und sal in
dinen gelich alse dem heiigen Xpriste, wan er zu letzen sprechen sal 'Ich
waz siech und ir wistet 5) mich, und waz ir dadet einre der minsten, d«z
dadet ir mir', und selbe die sichen sollen myrken daz man in dienet durch
20 godes ere, und insollen die sustere die in dinent nit besweren mit keiner
uberenzikeide, und jochwes sie mudent, daz sal man geduldecliche verdragen,
wanne hie midde gewinnet man grozzen Ion. Durch daz sal diz die ebdissen
besorgen, daz sie keinen brechen indulden. Den selben sichen susteren . . . 6)
sezzen eine die got vochte und mynne. Doch sal man in reden 7) also dikke
25 so siz bedorfen, und den gesunden und aller meist den jungen vil seiden.
Den sichen und den cranken sal man fleis irleuben durch daz daz sie sich
irkoberen. Alse sie aber gesunt werdent, so inthalden sie sich aber von
fleische na irre gewonheide. In allen disen dingen sal die ebdissen sorge
han, daz die sichen noch von der kelnersen noch von den dinstfrauwen nit
3° versumet inwerden, wanne waz da missedan wirt, daz geit allez wider zu
I) möge 2) lies dar? 3) = bidden 4) intfent 5) wiset 6) = sit cella se
deputata et servitor timens deum et diligens ac sollicitus 7) lies sie baden (= balpearum
usus offeratur).
— 21 —
ir wert. Dye ') vil aide frauwen und die junge kind sal man halden na
gnaden. Man sal mirken an yn ir crankheit und insal nit den 2) getwanc der
(9a) regelen vor legen an irre spisen, danne man sal in irleuben zu inbizzene
vor rechter zyt.
Diz ist die letze von ezzene. xxxv
Alse die frauwen zu disse sitzint und ezzent, so insal da nit der letzen 3) 5
gebrechen, und insal ir keine lesen wan die des sunnedages in geit alle die
woche zu lesene. Die selbe sal na messen bidden alle gemeinlich vor sie
beden, daz got von ire kere allen hoin mut, und sollen dan alle sament in
deme core dissen vers driwerbe sprechen, und des sal sie beginnen 'Domine,
labia mea aperies et os 4) meum', und alse sie die segenunge intfeit, so ge 10
in zu lesene. Dan sal da grozze stille sin zu dische, daz kein rununge noch
keine stimme, danne ockert die letze gehört werde, und wes man da
bedarf zu ezzene und zu drinkene, daz sal in also vor gedinet werden, daz
ir keine nit heischen indurfe. Wirt da aber keines dinges noth, 5) daz sal
man heischen mit ieclicheme zeichene, nit mit Worten. Noch ir keine sal da ir.
nit fragen gedurren von der letzen noch nirgen abe, iz insi daz di prielsen
it sprechen wolle curtzliche die ander zu bezzerne. Abe die wochenersen
die sal nemen ein mixtum, e sie lesen beginne, daz sie daz lange 6) nit inbe-
swere, und ge dan ezzen mit den da gedinet hant. Die sustere insollen
auch nit na irme ordene lesen, dan ockert die die andere gebezeren mögen. 20
Von der mazzero des ezzenes. xxx
Wir getruwen des daz in genüge zu irre degelicher spisen zu alle
irre« ezzene«, beide der sexten und zu nonen, zweierleie gesoden 7) gerichte,
abe ir keine des einen nit inmag, dßz sie sich mit dem andern labe, und
han sie obez oder smalsede, man gebe in daz dritte auch dar zu. Ein 8)
gewicht brodes genüget in, wedere isz sy ein ezzen oder zwei, und ist daz ar.
sie meren sollen, daz dritte deil des brodes sal in die kelnersen halden biz
zu merungen. Ist iz aber daz die arbeit merre wirt, daz sie in der ebdissen
wilcore in zu merende, ob iz nutze ist, ane fl) alle oberewzekeit, daz sie nit
1) hiermit beginnt sonst Cap. xxxvn 2) der 3) nimet lazzen 4) os os 5) nach
6) vasten zu ergänzen? 7) gesosen 8) Eein 9) äne
— 22 —
besweret inwerden, wan iz inist de« xpriste« mensche« nit so wedere als
oberaze, als unse herre selbe sprach 'Syet daz uwir herze nit inbesweret
inwerde mit oberaze'. aber den jungen und den kinden sal man minre maze
geben dan den groszen, und in allen dingen sperliche han. von allem flizze
5 sollen sie sich inthalden, ane die cranken und die sichen.
xl. Vom der mazzeti des drawkes.
Ein ieclich hat ir eigene gäbe von gode, eine sus, die ander so. Durch
daz setzen wir alleine . . . . ire libnarunge mit alsolicher mazen \ iedoch
wanne wir an sehen die crankheit der sichen, so getruwen wir des daz ir ielicher
eyn coppelen wines genügen möge über dag. Den aber got gybet daz sie sich
10 enthalden mögen, die wizzen daz sie groszen Ion dar umme han sollen. Ist
iz aber daz sie durch noth der stede oder durch (9b) arbeit oder durch
sumerhitze me bedürfen, daz ste in der prielsen wilcorde, abe siz in id meren
wil. und des hude in allen, daz da nit abe inkumme fraszheit oder ver-
drunkenheit. allein lese man daz die munche keinin wyn nutzen insollen,
15 wan iz in dissen ziden nit lichte inist zu radene, so sullin wir doch da myde
inein dragen, daz wir in sperlichen drinken, nit zu sade 2), wan der wyn machet
dumb die wisen. Da aber die noth der stede so geschaffet ist daz man die
vor gesprochene masze nit han inmag, wan michel mynre oder mitalle nit,
sie loben got die da wonent und lazzen sich des irmanen daz sie ane mur-
20 melunge sin.
xli. Wie man sich halden solle mit ezzene und mit vastine.
Von oster mit 3) pingesten sollen die sustere zu sexten inbizzen unde
des 4) abedes meren. von pyngesten aber vorbaz alle den sumer, obe sie nit
arbeide an der erden nit inhant, und obe sie die sumerhitze nit inmut, so
vasten biz nonen die mildewoche und den fritdag. die ander dage inbizzen
25 zu sexten 5). Ist iz aber daz sie arbeiden an der erden oder daz die hitze
groz ist, so halden daz umbez zu sexten alle dage. und sal die ebdissen be-
waren und sal iz also getemperen und gesetzen, beide daz die seien behalden
Werden und waz die susteren dunt, daz sie iz ane murmelunge dun. Von
i) = et ideo cum aliqua scrupulositate a nobis mensura victus aliorum constituitur 2)= ad
satietatem 3) = biz 4) vü die des 5) inbizzen zu bizzen zu nonen
— 23 —
idus gerstemandes biz man ses wochen zu ostern hat, sollen sie ummer zu
nonen inbizzen, und vorbaz biz zu ostern zu vesperen. Jedoch sollen sie die
vesper also began daz sie nit lichtes indurfen zu ezzene, wan daz sie iz mit
dem lichte des dages vollenbringen. und des sollin sie alle zyt warten, weder
iz sy uwmez oder merrunge, daz iz ummer mit dem dage geendet werde. 5
Döz na coiftpletew nimaft sprechen ittsolle. xlii.
Alle zyt sollen die sustere ir stille ') halden, und iedoch allermeist in
der nachstunden. Durch daz zu allen zyden, weder si 2) vasten oder inbizen,
also schire so sie von der merrungen off stent, so gen 3) sitzen alsament in
ein, und ir ein lese collaciones, antweder vitas patrum oder anders etwaz des
sie gebeszeret werden. Nit inlese man da von deme alden Urkunde noch 10
der kuninge buchen 4), wanne iz ist den cranken sinnen unnutze danne zu lesene,
und man lese daz zu anderen stunden. Sin iz aber vesteldage, also die vesper
gesungen ist, zu richte na eime curzzen underlasze so kummen zu collaciones,
und die wile man leset vir biedere oder vunve 5) oder also vil so die zyt ge-
henget , so ilen die sustere al zusamene die bit etlicheme ambete becumberet 15
sint, und alse sie zusamene kumment und complete gesungen hant, sider in-
haben keinin orlaup it zu sprechene. weliche ire sider ire stille brichet, wirt
siz wunden freveliche, sie muz ir buzze drumme liden, iz ingeschie danne
durch not der geste oder durch gebot der ebdissen: daz sal iedoch mit (15a)
engesten und mit groszer maszen geschin. au
Wie man sich haldew solle zu unsers herren dineste. xliii.
_A_lse die stunde kummet des godes dinestes und man daz ceichen 6) ge-
hört, so laszen die sustere allez daz sie under handen hant und laufen dar
mit grozzer ilungen, iedoch mit solicher zücht daz keine rede under in in-
werde. Noch keine werk insollen sie godes werke vor han. Und iz daz ir
keine kummet na dem gloria patri daz man singet zu de;« salme Venite', 25
den man doch ziende und lancsame 7) sal singen, die inste nit in dem ordene
zu core, danne zu aller nederst der anderen, oder wo ir die ebdissen gesetzet,
daz sie von den anderen allen besien werde, biz daz godes dinst geendet
I) danach am Rande van später Hand leren 2) iz si 3) gene 4) bucht 5) nune
6) cheichen 7) lancsame
— H —
wirt und sie sich des offenbare beruwe. Durch daz sal sie zu nederest den
andern ober da abe stan, dar umme daz sich die andere alle durch schemede
der selben versumigheide huden. wan blibent sie uzwendig des cores, so
mochte lichte etliche sich neder legen und slafen oder zu bösen gedenken sich
5 muszigen, daz der duvel da stade vinde '). durch daz sal sie dar in gan daz
sie die zyt mitalle nit inverliese und sich vorwert hude. Aber zu den dege-
lichen geziden die zu godes dineste na de;« verse nit inkummet, des selben
sollen sie plegen, noch insal sich nit gedurren gevugen zu den andern biz
sis sich beruwet, iz insi mit der ebdissen orlaube und mit irme gehengnisse,
10 und doch also daz sie iz gebuzze. welche ir aber e deme verse den sie alle
zusamene sprechen sollen zu deme dische nit inkummet und durch ir versum-
keit dar nit inilet, die sal man eines und andermale durch die sunde berespen,
und inwil siz nit bezzeren, so insal man ir nit gehengen der gemeinschaffe
des disches, dan man sal sie sunderen von der gemeinden der susteren,
15 da sie ir libnarunge alleine neme 2), und irs wines sal man ir ir deil abe
zien, biz sie commet zu ruen und zu buzen. Geliche busze sal sie dulden
die zu deme verse gegenwrdig nit ist den man na ezzene sprichit. Noch
ir keine gedurre ummer e der gesatzter zyt obe dar na it ezzenes oder
drankes nemen.
XLiv. Wie maw sich halderc solle in der grozzew schulde.
20 YV^ylche suster durch grosze schult von deme core und von dem
dische uz gescheiden wirt, die wile 3) daz man godes dinest dut, so sal sie
ligen nider gestreket vor der dur des chores, stilswigene und nit sprechene,
daz l) heubet nider off die erde gelacht vor alle die uzzer dem chore
gent. Daz sal sie also lange dun biz die ebdissen dar kumt, und sie
ss strecke 5) sich danne vor irre wuzze und dar na vor alle die sustere, daz
sie vor sie beden. und abe iz die ebdissen gebudet, so intfaent si si in
den core in die stat dar der ebdissen gevellet, Dan iedoch also daz sie
noch salm noch letze noch nit anders ingedurre an heben, die ebdissen sie
ingebediz aber. Zu allen den geziden also godes dinest geendet wirt, so
30 sal sie sich legen off die erde in der stat da sie steit, und du daz also
lange (iSb) biz ir die ebdissen gebide daz sie von der buzzen ruwe. Die
aber um lichte 6) schult uz gescheiden werdent ockert von dem dische, die
4) die 5) strecket 6) licht
— 25 —
sollen iz buzzen in deme chore also lange so die ebdisse gebildet und
si dunkit daz ir gnug sy.
Vom den die da fallent in dem core. x^
Welche ane hebet salm oder respons obe antiphene obe letze und da ane
bedrogen wirt, si inotmudige sich zu hant mit buzzen vor den anderen allen,
sie sal merre pine liden, wanne sie mit otmutkeide daz nit inwolde buzzen 5
daz sie mit versumekeide missedede. 1) Aber die jungen sal man imune sus
gedane schult kestigen.
Vom den die an kleiniM dingiM missedunt. xli
Wylche suster arbeidet in der kuchenen ober inme kelre ober inme
dineste ober inme garten ober in 2) keineme ambete ober in keiner stat,
und it da missedut obe zubrichit obe verluset: inkummet sie nit zu hant 10
vor die ebdisse und vor die samenunge und buzzet iz irs dankes und vir-
melde ir missedat, und wirt iz von einer anderen gecundiget, so sal sie
merre buzze liden. Ist iz s) aber verholne sunde, so sal sie offenbaren der
ebdissen oder der geistelichen susteren, die irs selbis wunden und fremede«
geheilen kunnent. la
Wie man sal kundigen daz gezyt. XL
Die stunde des godes dinestes beide dag und nacht sal die ebdissen 4)
cundigen, oder bevele die sorge einer suster, daz iz allez citeliche irvullit
werde. Salme und antiphonen ane hebent in irme core na 5) der ebdissenen
den iz geboden wirt. Ir keine ingedurre singen noch lesen, danne die daz
ambet irvullen mag, daz ir gebezzeret werden die iz da horent, und daz 20
sal mit otmutkeide und mit vochten gewerden, und den iz die ebdissen
gebudet.
Vom der muskeide. XLV
Alle muzzekeit ist vint der seien. Durch daz sollen die sustere zu
gewiszen ziden uwmuszig sin in arbeide der hende, und aber zu gewissen
l) missedde 2) ime 3) Is ist 4) ebdissera 5) in na
— 20 —
ciden in der heiigen letzen. Umme daz sint beide disse zyt also gesatzit,
dßz sie von osteren biz zu den kaienden octobris des morges J) usz gan
von primen cit biz an die virde zyt und arbeiden des si bedürfen zu irre
notdurfte, aber von der virden zyt biz zu sexten die heiige scrift lesen.
5 und na sexten alse von deme dische off stent , so gen rügen off irre
bette vil stilliche, und iz daz ir keine lesen wil die wile, sie lesen also
daz ir keine beswert inwerde. None sollen sie citheliche singen, als die
echte stunde halb ist, und aber wirken daz in zu dune ist biz zu vesperen.
Kummet iz aber so d«z sie die not der stede oder daz armude twynget
10 daz sie unmuszig muzzen wesen 2) an deme corne zu samene , so inun-
frauwen sich nit, wände 3) so sint sie werliche nunnen, obe sie lebent von
der arbeide ire hende, als die heiige vedere und die aposteln daden, und
allez iedoch mit mazzen durch (iia) die crankmudigen.
Diuisio.
Dar na von den calenden octobris biz daz die virczig dage der vasten
is ane gent sollent sie in den letzen wesen biz zu der andern stunden des
dages, und dan singen ir tercie, und vorbaz biz nonen arbeiden alle in
irme werke daz in gesazt wirt, und also sie gehören daz erste zeichen
der nonen , so sunderen sich von dem werke , d«z sie gereit sin als man
daz andere zeichen ludet.
Diz ist vow der vastew.
20 Ober in den dagen der vasten von des morges biz zu tercien sollen
sie in irren letzen sin und fort biz zu der czenden stunden wirken daz
in gesatzit wirt. In den selben virzig dagen so nemen alle sunderliche buch
von der buchkamern und lesen sie genzliche 4) na dem ordine. Die sal
man in geben alse die dage an gent. vor allen dingen sal man sezzen
2B eyn suster oder zwo die daz closter umme gen zu den ziden so die sustere
lesen sollent und sin daz kein da vunden inwerde muzzig oder mit ydelre
reden die ir selber unnutze sin und auch den anderen, und ob diz etwanne
geschiet von summilichere, so sal man sie berespen einis und aber, in-
bezzeret siz aber dan nit, so sal sie buzzen liden na der regelen und
i) morge" 2) wesen muzzen »«V UmsteUzmgszekhcn 3) wan die 4) gencliche
— 27 —
als soliche ') d«z sich die anderen al fuchten. Noch keine suster inge-
vuge sich zu der andern an nutzeclicher stunden. Des sunnedages sollen
sie alle muszig sin zu den letzen, ane die mit ambeten begriffen sint.
Ist aber ir keine also trege daz sie inwolle oder inmoge denken noch
lesen, der sal man it Werkes bevelen, daz sie nit muszig 2) insin. Den
susteren die sich sint oder verwenet, den sal man so mezlich werg setzen
daz sie mitalle nit muzzig insin, noch auch von der arbeide nit besweret
inwerden. Alsoliche crankeit sal die ebdissen myrken.
Diz ist auch von der vastew.
XLIX.
Allein sullin die sustere alle zyt die vaste halden, wan unmanger disse
dogent ist, durch daz ist daz gut und raden wir iz, daz in dissen virzig 10
dagen iren Hb huden mit aller reinikeide, und alle die versumunge andere
zide in dissen heiigen dagen virdilgen. und daz geschiet 3) wirdecliche, obe
wir uns twyngen von allen sunden und an sten dem gebede und dem ruwen
des herzen mit weinunge und inthaben von der lipnarungen. Durch daz
sollen wir in dissen dagen zu unseme gewonlicheme *) dineste etwaz irmeren 15
an sunderliche;« gebede, an mezlichkeide der spisen, daz ein ieclich suster
ubir die mazze die ir gesatzit ist etwaz unseme herren opfere von irme
eigenen willen mit freuden des heiigen geistes. sie sal irme lichame abe
ziegen von ezzene und von drinkene 5), von slafene, von sprechene, daz sie
mit freuden der geistlichen gerunge irbeide der heiigen ostern. Iedoch waz 20
ir keine gode oppem wil, daz sal sie dun mit rade und mit gebede und
mit willen der ebdissen, wan daz da geschiet ane willen der geistelichen müder,
daz wirt gezalt (11b) zu ideler eren, nit zu lone.
Die sustere di uz arbeidint. L.
Die suster die verre von dem clostere sint in arbeide und inmogen
nit zu rechter cit czu core kummen 6), und die ebdissen wol 7) bekennet daz 25
iz also ist, sie sollen godes dinste dun alda sie wirkint und ir venie suchen 8)
mit godes vochten. Iecliche die off de;;/ wege sint, sie insollen nit versumen
die gesazte 9) zyt, danne si sollen irvullin godes dinest dar na daz sie
mögen.
1) als solichte 2) muzig 3) gescheit 4) gevollicheme 5) drinke
7) wole 8) suchent 9) gesazt
— 28 —
Li. Vom den die da uz varewt.
Die sustere die umme ieliche rede uz varent und des selben dages hof-
fent weder zu kummen zu dem clostere, die insollen uzze nit ezzen, allein
werdent siz gebeden, ir insi mit gebode der ebdissen. und dunt siz anders,
so muzzen sie uz gescheiden werden.
Mi. Von dem bedhuse.
s Daz bedehus daz sal mit rechte daz sin daz iz geheizzen ist. Noch
nit insal man da inne dun, dan daz zu godes dinste gehöret, und als d«z
irvullit ist, so sollen sie alle mit groszer stille uz gan und got da midde eren,
umme daz, abe kein suster sunderliche beden wil, daz sie von der anderen
nit gehinderet inwerde, und iz daz ein andere gesweslicher J) beden wil, die
10 ge dar holenbeciche 2) und bede nit mit luder stymmen, weine mit trenen
und mit ruwen des herzen. Durch d«z wilge ire des geliches nit indut, der
insal man nit gehengen in de;« bedhus zu blibene, daz kein andere von ir
gehynderet nit inwerde.
Alle die geste die da kumment die sal man intfaen alse den heiigen
Krist, wanne er anme lesten dage sprechen sal Ich waz gast und ir intfinget
mich'. Den sal man allen geliche ere bieden und 3) aller meist den die hus-
genoszen sint des glauben *) und den elenden. Also schiere so ein gast da
gekundigit wirt, so sal die priolen ingein gan oder iecliche sustere mit otmut-
keide und mit minnen, und zu aller erst sollen ä) alsament beden, und also
diz geendet ist, so gevogen sich zusamene mit dem küsse des friden durch
die becarunge des duvels zu virmidene. In dem selben gruzze 6) sal man ein
groz otmutkeit irheben. In allen den zu kummenden und inweg varenden
gesten sal man mit geneigede;« heubit oder mit nider gestregteme licham den
heiigen Crist ane beden, den 7) man auch intfeit. und also die geste intfaen
werdent, so sal man sie leiden zu irme gebede, und dar na sal die priolen
sizzin mit yn oder ein andere der siz gebudet, und lese ein heiige letze der
i) gesweglicher 2) mir unverständlich; der Text (simpliciter) erfordert einvaldicliche
3) v, dahinter fi radißrt 4) sint leuben 5) danach sie radiert 6) der selben grozze 7) die
— 29 —
sie gebezzeret werden, und dar na sal man in irbieden allez menslich ge-
mach. Ir vaste sal die priolen brechen durch die geste, iz insin dan rechte
vastedage die man gebrechen inmoge. Aber die andere sustere halden ire
vaste na irre gewonheide. Die ebdissen selbe sal den gesten wazzer geben,
und beide die ebdissen und alle die samenunge sollen in ') ir vuzze twan. 5
Dar na sprechen dissen vers 'Suseepimus deus miam'. Der armen und
(i2a) der elenden sal man aller meist sorge han zu faene, wan an in intfeit
man den heiigen gast Crist. Den riehen wirt eren gnug irboden durch 2)
ir herschaft, die kuchgene der ebdissen und daz gasthus sollen sunder wesen,
daz die susterin nit besvveret inwerden von den gesten , die dicke unziteliche 10
kumment 3). zu der kuchenen sai man zwo sustere zu eime jare sezzen,
die des dinestes plegen. Den sal man bereiden wes sie bedürfen, daz
sie ane murmelunge dienen, und wylche zyt sie da minre ambetes hant,
so gen uz al dar man in gebudet zu w^rke, und nit alleine dise, wene
auch alle die die mit ambete bevangen sint halden diz gebot. Daz gast- 15
hus sal man bevelen einer suster die 4) got vochte 5) und irre sele sorge
habe 6), und da sal sin betgewant vollecliche, und alsus sal daz gasthus 7)
von den wisen luden wisliche bereidit sin allen den die iz bedürfen, keine
suster insal sich zu den gesten gevugen noch bit in reden der iz nit geboden
inwirt, wan begeinit R) sie in ober gesit sie sie, sie gruzze sie otmutliche und 20
gesegene sie und scheide von in.
UV.
Keine suster inmuz von keineme irme mage noch von keime menschen
nit intfain noch von in selbe under ein noch brife noch scrift noch keine
gäbe nemen oder geben ane gebot der ebdissen. und wirt it gesant von
irren frunden, daz insal sie nit intfaen gedurren, iz insi der ebdissen aller 25
erst gekundigit. und als iz 9) intfae« wirt, so steit iz an der ebdissen gewelde
zu gebene wem sie wolle, und der iz gesant was, sie inunfrauwe sich iz
nit, daz der duvel kein Ursache da invinde. Die aber anders dut, die muz
der regel buzze liden.
1) ein 2) durc1 3) klimmet 4) die die 5) vochten 6) haben 7) godes
hus 8) beginnit 9) alliz
— 30 —
lv. Dyse letze ist von den cleideren.
Den sustern sal man gewant geben na der geleginheide des landes
und der lüde die da wonent, wan in den calden steden bedurfent ') siz me,
in den warmen minre. Daz sal in der ebdissen underscheidinheide stan.
Iedoch getruwen wir des dßz den susteren in meslichen steden gnugen sollen
5 einir ieclicher sunderliche eine cogele und eynen rog, die cogele des winters
ru, des sumeres siecht, und auch einen scheplere durch daz werk, und socke
und hosen, von der varben und der grupheide insollen die sustere nit clagen,
wan alsolich so man iz vindet in deme lande da sie wonent und man iz
aller lichste vergelden mag, daz sollen sie dragen. u;/zme die mazze, daz
10 sye noch zu curcz noch zu lang insin, des sal die ebdissen war nemen.
wan sie daz nuwe entfaent, so sollen sie daz aide wider antwirtin in die
gewantcamere durch die armen. (i2b) Einer ieclicher suster genüge mit zwein
rokken und zwo cogelen zu habene durch die nacht und durch daz wesene 2).
und iz da it ubere, daz ist uberenzig 3), daz sal man abe nemen. Die man
is aber uz sendet, den sal man cogelen und rokke und eines deiles bezzere geben
dan ir gewonheide sy, uz warende von der gewantcameren nemen und weder
kummende aber weder antworten. Ir betgewant sal sin ein bambest und
ein matte, ein lilachen und ein heubitpulbe, und die selben bette sollen 4)
von der ebdissen dikke ersucht 5) werden, daz nit sunderliches insy, und
20 wirt des da it wunden, daz die ebdissen nit gegeben inhat, die sal grozzer
buzzen underligen. und daz diz übel bitalle von in genomen werde 6),
durch daz sollen in von der ebdissen alle notdurfteclie Sachen gegeben
werden, daz ist cogele, rok, sokke, gurtel, mezzer, griffel, nalde, daz aller
slachte 7) ursach abe genomen werden. Die ebdissen sal auch daz mirken
25 daz von den aposteln gescriben ist cin wart 8) sunderliche gedeiht alsus
ieclichim noth waz' 9). Alsus sal die ebdissen mirken die crankheit der
bedurftigin, nit den bösen willen der nidegen. In allen dissen dingen sal
sie godes widerlon vor den äugen 10) han.
[. Vom der ebdissen dische.
Der disch der ebdissen sal ummer mit elenden und mit gesten besazt
so syn. und kummet yz so daz nit geste da insint, so lade irre sustere dar,
i) bedürfet 2) = weschen 3) ubeenzig 4) sollet, t unterpunktiert 5) ersuch
6) inwerde 7) allerslaste 8) ein wort 9) ieieclichem waz noch mit Umstellungszeichen
über waz und noch 10) bygen
— 31 —
wilche sie willet. und iedoch besorge *) daz, den susteren zu lazene der
altfrawen eine oder zwo durch die zucht zu hudene.
Von den die da sunderlich werk dunt. lvii.
Oint 2) werkwib in deme clostere, die wirken ir werk mit aller otmud-
keide, obe iz die ebdissen gehenget, und iz daz ir keine sich irhebet von
irre liste, durch daz daz sie des dunket daz sie deme clostere sere frome, 5
disse s) alsus solich sal man abe dune von dem werke, daz siz nit me in-
beginne, iz in sy daz sie sich otmudege 4J und iz ir die ebdissen aber
gebede. wirt da it Werkes zu verkaufene, man sie dye iz uzer iren henden
geben sal, daz sie nit obeles da mide indun , noch des geldes nit abe
inzieen und gedenken der zweire Ananie imd Saphire, daz sie dot an 10
der seien nit inliden, den sie an deme libe nit intfinyn. Des sal man auch
huden daz an de;;2 verkaufene die gyrheit keine stat inhabe, dan man sal
iz luden geben die iz anderen luden gebyn in den Worten daz got in allen dyngen
gelobet werde.
Von den die von verrem dar kumment und da bliben wollent. 5) lviii.
Kummet etliche suster die gerunge hat zu gotlicheme lebene 6), man 15
sal nit lichtliche irleuben in zu varen, wan als der apostolus sprichit 'man sal
besuchen obe der geist von gode sy'. und obe sie vollenhirte '') clopene
fünf dage und ungemach duldet und vollenbliben wil an irrem bedden, so sal
man ir s) irleuben zu wesene in deme gasthuse uwmanche dage. Dar na sal
man sie dun in der hus die (13a) unlanges dar kummen sint, d^z sie da wonen 20
und ezzen und slafen. Da sal man ir eine aide frauwe vor sezzen die wogliche
si seien zu gewynnene, die sorgsamig ober sie sy und auch irvare abe sie
werliche got suche und abe sie sorge habe zu godes werke und zu gehor-
samkeide und zu alleme ungemache. Man sal ir vor sagen alle harte ding
und scharpe, da midde man zu gode wert get. und abe sie globet stedekeit 25
zu vollenhirtene, na der zyt zwier mande so sal man ir dise regele lesen von
anbeginne biz an daz ende und sal dan sprechen zu ir 'Rüster, sich, dis ist
der orden under 3) den du gode dinen wilt. machs 10) du yn behalden, so
I) besorget 2) Sint ein 3) die sie (=hic talis) 4) otmutkeit 5) blibent
vollent 6) lebeme 7) wolle harte (= perseveraverit; 8) in 9) vü der
10) mach8
— 32 —
kum zu uns, inmachs ') du aber des nit, so var frilichin hynnen.' Obe sie
dan vollensteit, so leide man sie 2) wyder in daz gadem der nuwen sustere
und besuche sie aber von irre geduldekeide. Syder na sehes manden sal man
ir aber vor lesen dise regele, daz sie wizze umme waz sie dar kummen sy.
5 und obe 3) sie noch danne vollensteit, na vir manden sal man ir dise regele
aber vor lesen, und obe 3) sie dan mit irre frier wilcore gelobet allez daz zu
hudene daz ir geboden wirt, so sal man sie intfaen in die samenunge, und
sie wizze dan wol daz sie also gesatzit ist under die regele daz ir von dem
dage vorwert uwmuzlich ist uz zu varene von dem clostere und iren nac 4) zu
iü scudene von dem joche der regelen 5). Noch dan sal sie kummen in daz gots-
hus und sal globene vor yn allen stedekeit irs lebenes und gehorsamkeit vor
gode und sinen heiigen, obe sie anders it dut, daz sie sich wizze zu ver-
dumene von gfides halben den sie bespottet hat. Die bede alles des gelo-
bedes sal sie mit urcunde dun der °) heiigen mit namen die da resten und
15 der gegenwurdigen ebdissen. Die selbe 7) bedde sal sie scriben mit irre hant,
und ob siz nit incan, bide ein andere daz siz vor sie du, und neme dan den
brif und lege in mit irre hant off den eitere und begynne zu sprechene dissen
vers 'Suscipe me domine scdfrf. Den vers sal die samenunge driwerbe
antwortin, und zu dem dritten mal gl'a pri. Dan sal sich die suster vor irre
20 aller wuzze sunderlich dar neder stregken und beden daz sie beden vor sie,
und sider sal sie gezalt werden in die samenunge. Hat sie auch it habende,
die sal sie entweder den armen da vor gegeben han, abe gebe sie dan zu dem
clostere, so daz siz ir selbere nit inbehalde, wan sie vorware daz wizzen sal
daz sie irs eigenen willen noch irs libes keine gewalt inhat. Dan sal sie uz dun
25 zuhant ir eigen gewant und sal an dun des closteres gewant, unde daz 8) gewant
daz sie uz dut, daz sal man gehalden legen in die gewantcamere , ob iz so
kummet, daz got inwolle, durch (13b) des duvels rat, daz sie rumen und varen
wolle von dem clostere, daz man ir daz geisteliche gewant uz zie und ir selbes
kledere wieder gebe und alsus verstozze. Aber den brief irre beden sal sie 9)
30 nit wieder nemen, wan er sal da behalden werden.
lix. Vom dew edeln luden.
Kummet iz also daz etliche edel lüde ir duchter opperen wollent gode
zu dem clostere und sie noch 10J danne kint ist, irre frunt dun die bede mit
1) inmach8 2) sie man sie 3) aber 4) nach 5) regelem 6) des
die dz 9) sal, danach s übergeschrieben 10) doch
— 33 —
dem brife als hü vor gesprochin ist, und bevuinden danne der mede hant mit
der beden in dem elterduche, und alsus opperen sie. Aber von irme gude
so geloben in der gegenwordigen beden mit eide daz ir noch von in selben
noch mit keime anderen noch keine wis nummer nit ingegeben l) dan abe sie
Ursache möge 2) nemen it zu habene. ob inwollent 3) sie des nit und it opfern 5
wollent in almosenen zu dem clostere, so dun ir gift von deme gude daz sie
dar geben wollent, und halden in selben den nutz, ob se wollent, und han-
delen diz allez also daz syder kein Ursache der mede inblibe dan abe sie
betrogen werde und verderben möge: wan diz han wir dikke wol bevonden.
Zu gelicher wise sollen die dun die da arm sint. Die aber mitalle nit inhant, 10
die opfern einfeldeclich ire bedde und oppernt ir doctere vor Urkunde.
Von den elenden luden. lxx
JYummet etliche elende suster von verreme lande und in gastes wise
da wonen wil in deme clostere, und ir genüget die gewonheit die sie da vin-
det *), noch mit keiner oberewzekeit inbedrubt die sustere, wan einveldecliche
nemen wil daz sie da vindet, man sal sie intfain also lange so sie wil. und 15
obe sie dede redelich und mit otmutkeit 5) der mynnen it berespet obe zeugit,
daz sal die °) ebdissen wisliche handeln, wan sie got lichte umbe daz dar
gesant hat. ') wylle sie aber dar na ir stedekeit bevesten, man insal irren ersten
willen nit versagen, Dar umme allermeist wan man in der czit do sie gast waz
ir leben wol undervarn mocht. Wirt 8) sie aber in der zyt gemirket in ide- 20
licheme lebene, so insal man sie nit intfan, dan man sal ir gutelichen sagen
daz sie dannen scheyde, Daz kein andere von irre crankheide bewollen in-
werde. Und iz daz sie solicht ist daz sie unwert sy zu verdribene, so sal
man sie in die samenunge intfan 9), obe siz gebiede, und auch raden daz sie
volleste dar umme daz ir die andere gebezzeret werden , wan in allen steden 2r>
ist unseme herren zu dinene. Gesit sie auch die ebdissen solich wesen daz
sie des wert sy, sie muz sie wol yn hoer stat setzen. Des sal auch die eb-
dissen ir gewarheit han daz sie keine suster die von keime kundigeme clostere
dar (14a) kummet, nit intfait ane ir ebdissen gehencnisse und ane ir brive,
wan daz gescriben ist 'D«z du dir nit inwilt gescin, daz indu eim anderen nit'. so
1) in gegeben 2) mögen 3) inwil 4) vindent 5) otmutclich 6) die die
7) han 8) Firt 9) intfant
— 34 —
lxiii. Wie sie irren ordeti haldew sollen.
Irren orden sollen sie in dem clostere also halden also die zyt gewiset
irre bekerungen und die wirdekeit irres lebenes und als die ebdissen gesezzet.
Noch sie insal nummer betrüben noch keine die ir bevolen ist noch keine
friliche gewalt üben it unrechte sezzende, wene sie sal ummer vor denken daz
5 sie aller irre urtdeile gode rede geben sal. Durch daz al na de« ordene« die
sie gesezzet obe die die sustere selbe hant so kummen ummer zu der pecen,
zu unsers herne lichame, salme an zu hebene, in dem core zu stane, noch in
keinen steden inwerde x) keyn alder underscheiden in dem ordene, wan Sa-
muel und Daniel die kint sie verdeiliden die pristere. Durch daz allein de«
10 uz beschide« die die ebdissen mit rade ober die andere gesatzit hat obe die
sie neder gesatzit hat durch sumeliche schult, die andere sollen alle sin alse
sie zu clostere kummen sint: alsus gedane wis , die in der anderen stunden
des dages zu clostere kummen ist, die sal sich jüngere bekennen der die zu
erster stunden quam, welges alderes oder welger 2) wirdikeide sie sy. Die
ir. kint sal man in allen dingen zuchtelichen halden. Die jungen sollen ir ober-
sten eren, die obersten sollen ir jungern mynnen, keyne suster inmuz die an-
dere mit namen gruzzen , wan die obersten sollen ir jüngeren heiszen suster
und die jungen sollen ir obersten heizzen nunnen: daz ist muterliche zucht.
Aber die ebdissen, wan sie Kristus ambet begeit in de;« clostere, sie sal ge-
20 heizzen werden 3) frauwe und ebdissen durch ere und durch mynne des heiigen
Cristes. Sie sal auch denken und sal sich also arbiden daz sie wert sy der
eren. wie so yn die sustere under zusehen begeinent, die jüngere sal die se-
genunge heyschen von der obersten. Alse die aide kummet, die junge sal
off stan und sal ir stat gen zu sitzene. Noch die jüngere insal by der alden
25 nit sitzen, sie ingebidiz ir, also die scrift sprichit 'Mit eren under zusen vor
gande'. Die deine kint und junge sustere zu core und zu dische sollen sie
mit züchten volgine irme ordine. Da uzze und allenthalbene sollen sie hude
han und zucht bit sie zu vernumsteclichyw« aldere vollenkumment.
Lxiv. Wie man die ebdissen welew sal.
In der wyungen der ebdissen sal man ummer die underzweiunge mirken,
30 daz die gesazt werde die alle die samenunge na godes vochten irkuset,
i) inwerden 2) welges 3) werde
— 35 —
obe auch daz mynre deil der samenungen mit gancem rade irkuset. Myt
wyrdigeme lebene und von lerungen der wysheide (14b) sal sie irkorn
werden die man wyen sal, allein ist sie die nederste in dem ordine der
samenungen. Kummet iz auch so, daz got verbiede, daz alle die samen-
unge eine persone mit gemeiny/« rade irkuset die irren sunden gehengic 5
ist, und auch ire ') sunden dem bysschove den die stat an höret abe eppeten
obe ebdissen ob anderen kristene kundic worden sint, so sal man weren
daz gehengnisse der bösen corungen und sal de;« godes hus gesezzen eyn
wirdige meistern, und wizzen daz vor war d«z sie guden Ion intfayn sollen,
ob siz mit godes vochten dunt, und also grosze sunde hant, so siz ver- 10
sument. Also die ebdissen gewiet wirdet, so gedenke sie ummer welche
bürden sie intfangen habe und weme sie rede geben sulle 2) irs ambetes,
und wizze daz daz ir recht ist zu fromene 3) me dan zu vor wesene 4).
Sie sal sin geleret des godes ordene, daz sie wizze wan abe sie vor bringe
nuwe und alt. Sie sal auch reine sin und cusche, barmherzig und sal ummer 15
die gnade setzen über 5) daz recht, daz sie daz selbe irvolge 6). Sie hazzen
sal die sunden und mynnen die sustere. In den berespungen sal sie wys-
lich dun, daz iz nit vil insy: wan wil sie den rost zu sere abe fegen, daz
vaz 7) mach lichte brechen , und sal ummer die brodikeit mirken und sal
ummer gehogen d«z man den zuquetzseden halm nit zuriben insal. In 20
allen dissen dingen inspreche wir nit daz sie gehengen sollen den sunden,
wanne wisliche und in der minnen sal sie sie abe nemen, alse sie sit daz
iz nutze ist, und flizze sich daz sie me geminnet werde dan gevort. Sie
insal nit arcwenig sin, wan so ingeruwet sie nummer. In allen iren ge-
boden sal sie vorsichtig sin und geware. werder iz na gode sy ober na 25
der werlde, Die werc 8) die sie bevelit zu dune, da ane sie halde ") die
underscheidunge herren Jacobs, der alsus sprach 'Ob ich du« arbeiden mine
herten an gande 10) me dan sie liden mögen, sie sterbent alle einis dages'.
Durch daz sal sie alle disse urcunde der underscheidungen, die müder ist
aller dogende , intfaen und sal iz allez so getemperen daz die starken 30
vinden des sie jerent und die cranken nit inflin. und in allen dingen be-
ilüde disse regule: also wylche zyt sie wole gedinit hat 11), daz sie von
unseme herren hören muzze 12) daz der gude knecht horte, der sines herren
) iren 2) sullen 3) fromde 4) uerwesene 5) aber 6) irvolgen 7) waz
9) halden 10) lies gange? II) hant 12) muzzen
— 36 —
weizze zitelichen uz deilit: 'wor wäre ich sagen uch d«z er in über allez sin
gut sezzen sal\
lxv. Diz ist von den probestew.
Iz geschit dikke daz von der wiungen der probsten grozze betru-
bunge wassent in den clostern, wan iecliche werden so irvullit mit dem
5 ubele« geist der stolzheide, daz sie sich dunkent ander ebdissen wesende
und wollent danne irn grimmen mut üben, dan abe zweiunge und misse-
hellunge weset in dem clostere, und aller meist in den steden da die pro-
besten gewiet ist von den selben die die ebdissen wient. und wie freis-
lich daz sie, daz mag (ioa) man lichte ') gemirken, wan von dem anbeginne
10 der wyungen hat sie ursache zu stolzene, und ir gedenke sie dar zu haldent
d«z sie fri wenet wesen na der gewelde der ebdissen, wan sie von eime
herren beide gewiet 2) sint. Hin abe wachsent manch übel: nit 3), vergunst,
böse rede, achtersprechen, zweiunge, missehellunge. und die wile die eb-
dissen und die probesten under ein missehelent, so sint ir beider seien in
15 grozzen freissen , und die sustere 'die under sint und ir antwederre mede
smeichent, sie gent in daz verlornisse. Daz übel disses freisses geit 4) weder
off der heubit die alsus solich zu meisterscheffe gesazt hant. Durch daz
dunket uns notdurftig wesen durch hude des friden und der minnen daz die
ordenunge des closters ste in der ebdissen willen, und obe iz wesen mag,
20 aller der nütze des closters 5) werde besazt und geordenet von 6) dechenen,
als iz der ebdissen gevellet, umbe daz 7), die wile daz iz manche« bevolen
ist, daz ein nit instolze, und iz daz die stat des bedarf obe die 8) samenunge
des gebidet redeliche und mit otmudkeide und iz die ebdisse nutze dunket,
wylge sie irkusit mit rade der sustere die got vochtent, die sezze sie selbe zu
2r. probesten. Idoch die selbe probsten, waz ir die ebdisse gebildet und bevilet,
daz bege 9) zuchtliche, und indu nit weder iren willen, wände 10) also vile so
sie irhaben ist vor de« anderezj, also vil bedarf sie sich sorglich zu gehuden
die gebot der regelen. Die selbe probsten, wirt sie wunden schuldig an idel-
keide ob an homude, ob daz sie die regele versmet, man sal sie manen mit
30 Worten virwerbe. Inbezzert sie nit, man sal sie berespen al na der regelen.
Inwil sie noch dan nit buzzen, man sal sie intsezzen von irre probstyin und
I) manliche 2) ge wient 3) mit 4) geit geit 5) closters deste 6) vn
7) dz iz 8) sie 9) lege 10) wan die
— 37 —
ein andere die iz wirdic ist an irre stat sezzen, und inwil sie in der samenunge
gemeglich und gehorsam nit wesen, so sal man sie uzzer de;« closter ver-
driben. Die ebdissen sal sich iedoch also wor denken, daz nit indu durch zorn
und durch haz, wände *) sie von allen irren urtdeilen gode rede geben sal.
Von der portenersen. lx
bi der porten des closters sal man eine aide sustere sezzen die 5
wise sy und die kunne wort intfain und antworte geben, der alder keine
lichte genge inplege«. Die sal han einin gadem by der porten, da sie
alle die dar kumment ummer gereit vinden in antworte zu gebene. und
alzuhant als ieman da cloppet ob ein arme rufet, so sal sie im antworten 2)
'deo gracias' oder sal in segenen und mit getwedekeide der 3) godes vochten w
sal sie snellichen antworten in der minnen. und ist iz 4) daz sie bedarf
einer helfen, sie neme zu ir ein junge suster. D«z closter sal also gesazt
sin, ob iz wesen mag, daz allez des man bedarf innewendich de;« termino
bevangen sy: wazzer, molen, (iOb) garten, bachus oder waz da not ist,
dasz kein durf sy den susteren uz zu gane, wan iz irren seien nit infromet. is
Dise regele gebieden wir dikke zu lesene in der samenungen, daz keine suster
von der unwizzekeide sich inschuldigen möge.
Voh den die man uz sendet. lx
Die sustere die man uz sendet, die sollen sich bevelen aller der
anderen susteren gebede ob der ebdissen, und ummer zu dem lezzesteme
gebede des godes dinstes sal man gehugnisse dun aller der die uz sint. Aber 20
des selven dages so sie weder kumment von der virte, zu allen den geziden
als godes dinest geendet ist, sollen sie sich nider 5) zu der erden in deme bed-
hus alle die sustere biden, daz sie beden vor sie vor die missedat die sie
uze gedan hant mit sine, mit hörne, mit muzzigeme gecose, noch sie insollen
keiner suster sagen waz sie da uzze gesin abe gehört hant, und ob siz 25
dunt, sie muzzen ir busze dar umme dulden. Geliche buzze sollen sie lyden,
wylge irgen gedar gan uzzer de;« clostere ob it gedut ane der ebdissen
gebot.
I) wan die 2) anworten 3) des 4) iz ist 5) ergänze streckende?
— 38 —
lxviii. Von den den man swere (link gebildet.
Wirt einer suster it sweres aber it uwmogeliches bevolen, sie sal daz
gebot intfan mit getwedecheide und mit otmutkeide. und ist daz sie gesit
die bürden der arbeide ir mach überwinden, so sage der die ubir ir iz
ir crankheit geduldecliche, nit stolzende noch wieder strebende noch weder
5 sprechende, wilt aber die priolen vollenherten an irme gebode und sis nit
irlozzen, so bekenne die jüngere daz iz ir fromet, und getroste sich zu
godes helfen und sy gehorsam in der mynnen.
lxix. Niman muz den anderen beschirmin.
Jjes ist harte sere zu hudene daz keine suster ingedurre die andere
bescirmen in deme clostere, allein sint sie auch mit magscheffe zu samene
10 gevuget , wan dan abe wyschet lichte Ursache grozzer betrubungen. welche ir
beginnet des, die sal scherpeliche berespit werden.
LXX- Niman inmuz den anderen slagen.
Man sal weren in dem clostere Ursache aller slachte baltheide. wir
sezzen und gebieden daz ir keine ir suster uz scheiden ob slan inmuzze,
wan die gewalt hat von der ebdissen. Die da missedunt, die sal man vor
15 in allen berespen, dar umme daz die andere vochte haben '). Aber den kinden
den sollen sie alle zuchteliche hude zu sezzen biz zu irme funfzehinden 2)
jare des alderes, und daz vil redelichen und daz mit mazzen, wan welige
ir die starkes alderes ist ane gebot der ebdissen sich irgremet ober die
jungen ane underscheidunge, die sal buzze liden na der regelen, wan iz
20 gescriben ist 'Daz du nit inwilt daz dir geschie, des indu eineme andereme nit'.
lxxi. Von der gehorsamkeide die sie under inander haben sollen.
Die dogent der gehorsamkeide iz zu irbiedene von allen den susteren
nit alleine der ebdissen, wan auch ein ieclich von der anderen under zusehen,
und wizzen daz daz sie da mide varen sollen den wech zu gode wert, keine
sun(l6a)derliche gebot inhenge wir keinir zu setzene3) wene ockert der ebdissen
25 ob den pwbesten die von ir gesazt werdent. Alle die jüngeren sollen mit
habe 2) funfzegisten 3) setze
— 39 —
der mynnen gehorsamen irn alderen. wirt auch ir eine wederspenig wunden,
die sal man berespen. Iz daz ir eine umme sumeliche klein sache von der
ebdissen obe von ire priolen yecliche wis berespit wirt und intsebet ') einre
irren priolen mut 2) erzürnet obe beweget ingegen 3) sy, Alzuhant ane merunge
sal sie gestrekket an die erde vor iren fuzzen ligen geotmudigit also lange 5
biz die bewegenge mit guden Worten geheilit werde, wylche ir diz versmet,
antweder sie insal der buzzen underligen, obe wirt sie widerstrebig, man
verdribe sie uzer dem clostere.
Von deme guden ernste. lxj
Also böse also der ernestliche 4) mut ist der bitterkeide der von
gode scheidet 5) und leidet zu der hellen, also gut ist der ernistliche mut 10
der senftekeide, der von den sunden scheidet und leidet zu gode und zu
dem ewigen libe. Dissen selben ernst sollen die sustere üben mit der
hizzen der mynnen, daz sie sich under ein eren, daz sie ir crankheit beide
des libes und der seien geduldecliche verdragen, daz sie gehorsamkeit
under eyn halden. Irre keine innavolge dem daz sie ir selber nuzze dunket, 15
wan daz einer anderen nutze ist. Die minne sollen sie cusliche halden,
got vochten, ir ebdissen mit reiner otmudkeide minnen. Sie insollen in nit
liebes han vor den heiigen Crist, der uns alsament geleiden muz zu dem ewygen
libe. amen-:-
Vom der sezzungen der regelen. lxx
Jjise regele han wir gescribin umme daz daz wir da mide zeugen allen 20
den die sie beginnen wollent daz anbeginne irs bekernisses zu hudene und
dan worwert gude side in dem clostere zu habene. und wilche da ilet zu
durnechtigheide irs lebenes, sie mirke die lerunge der heiigen vedere, wan
sie leident den menschen zu der hoe der durnecheide. wo is irgen keine
scrift ob keine gotliche lerunge des alden ob des nuwen urkundes, iz insy 25
eine rechte regele des menslichen lebenes? Obe wilche buch der heiigen
veddere insingit daz selbe nit d^z wir mit rechtem laufe vollenkummen
zu unse?« sceppere? Die rede der veddere und irre sezzunge lebenes und
4) ernest lichte 5) scheiden
— 40 —
die regele des heiigen vaders sancte Basilijn, waz ist anders dan eyn be-
reidunge der dogende allen den die rechte lebent und gehorsamkeit leistent?
Aber uns tregen und unrechte lebenden und versumenden ist iz laster und
schände. Durch daz du da iles zu dem hymmelschen lande, dise wenege
5 regele die da vor gescriben ist, die vollenbringe, so machs ') du zu letzes zu den
meren (i6b) werken der dogende und der lerungen die wir vor gesazt han
mit godes beschirmunge vollekummen. A' . 'M' . 'E' . 'N.
Dise regele sal man alle czyt an heben an sancte: 'Qcnedictus dage und an
sancte. ]6\\anri\s baptisten dage und an sancte Michahelis dage und an der
10 octaven der kindelin, und sal sie lesen biz an sanctus B<m<?d?cAis dag, dan
sal man sie alle czit von erst an beginnen. Des nestes dages na sancte
Lam p**rtus dage so sal die sengeren zu capitele die manen die capitel heldet,
daz sie absolvire die doden. so sal die die 2) da capitel heldet sprechen
alsus 'Anime fratrum et sororum et familiarium nostrorum hoc anno defunctorum
15 requiescant in pace'. so sal der convent antwirtin 'amen' und sollen sprechen
'De profundis' und sollen nider knyen zu k.yr\e\eison und sprechen 'pater noster'.
so sal die da capitel heldet sprechen 'Et ne nos ic Aporta in fe'i. Erue
domine animas eorum. Domine exaudf.
Oremus.
Dominus venie largitor et humane salutis auctor, quesumus clementiam
20 tuam ut nostre congregacionis fratres et sorores et familiäres qui ex hoc
seculo transierunt beata Maria semper virgine intercedente cum omnibus sanctis
ad perpetue beatitudinis consorcium pervenire concedas. Vater noster. Domine
exaudi. Requiescant. Dar na sizzen nider. so sal die sengeren manen die
die da capitel heldet, daz sie absolvire auch unse veddere und unser müdere
25 und ander unser frunde seien. So sal die die da capitel heldet sprechen
'patres matres fratres et sorores et consanguenei defuncti fratrum et sororum
ordinis nostri requiescant in pace. amen.' Dar na sal sie sagen daz ein iclich
suster sal lesen zehen seltere.
Yatres matres et fratres et sorores requiescant in pace. amen.
i) mach8 2) der der
— 41
ANHANG.
Wir Bruder r) Apt des Cloisters zu Erbach hielden vor sunde 2)
in dem junffrauwen cloister zu Gnadendail in dem jare als man zalte nach
Cristi gebort dusent vier hundert viij vn funfczig yuonis confessoris 3),
vnd vmb merer bestedigung ordelichs lebens vnd geistlicher zucht so han
wir etliche artikel her naich dun schriben die wir von allen geordenten per-
sonen desselben cloisters wollen festeklichen gehalden werden. Zu dem ersten,
daz vor allen dingen godis dinst mit merer vnd großer andacht vollenbracht
vnd betzalt werde dan mit heer, vnd besunder daz die getzide vnser lieben
frauwen vor den getziden des dages in dem chore gentzlich mit andacht ver-
golden werden vnd sich kein da von abe ziege an redeliche noit ader kranck-
heit. Item die stille oder swigen halden, daz da viel vnfriedens enthelt, wollen
wir daz daiz baß gehalden werde dan mit heer, vnd besunderlich in der
kerchen , in dem crutzgange , off dem schlaf huse vnd in dem Rebeder, vnd
welche junfrauwe daz freuelichen breche, heißen wir die 4) plorissen daz sie
die in dem cappittel dar vmb hertlichen straiff vnd breche yre abe yr phrunde
wins 3). Item die wyl mentsliche nature von vngehorsamkeit vnser ersten
eidern zu solicher gebrechlichkeit kommen ist, daz sie alletzyt me geneigit ist
zu bösen suntlichen dan zu guden gotlichen wercken, vnd dar vmb der mentsche
auch woil bedarff degelicher abewessunge vnd beßerunge solicher suntlichen
wercke, wollen wir vnd heißen die pWissen, daz sie allen dag mit den jun-
ffrauwen Capittell halde vnd da solich vorgerurt degeliche broche vnd versu-
meniß straiff vnd beßer naich dem mit heer in vnserm orden gewonheit vnd
recht gewest ist, vnd wollen auch daz sich da von keyne junffrauwe abe
cziege an redeliche orsache ader krangheit. Item gebieden wir by der penen
der vngehorsamekeit, daz keine junffrauwe die von der aptissen ader ander
I) Rasur, darüber Richm; gemeint ist Abt Richwin 2) lies vorscunge 3) Rasur;
danach die beiden letzten Wörter ausgestrichen und darüber off sant peders vnd paulus dag 4) hier-
nach aptissen oder mit schwärzerer Tinte übergeschrieben 5) abe— wins durchstrichen, dafür am
Rande priid brotes halp abe
■6
— 42 —
yre obersten vmb yre missedait gestrafft wurde ader anders vmb keynerleye
sachen willen, yre clage da von du yren frunden ader andern vßerlichen
luden, want da von dicke schände vnd ergerunge kommit werntlichen luden
vnd schade vnd vorderpniß der clöister. welche aber hie an schuldig fanden
wurde, setzen wir off die lichte scholt zu dragen eynen dag zu waßer vnd
zu brode vnd yre wilen beraubt werden. Item gebieden wir strengelichen
daz die junffrauwen gehorsam syn yre aptissen, vnd keyne sich widder sie
setze mit vngehorsamen vbermudigen drauwe ader scheltworten. welche aber
heer vbir brüchig funden wurde, heyßen wir vnsern bichter daz er soliche
eyns, zwernit, drywerbe mane. stellit sie dan soliche vngehorsam vbermudikeit
nit abe vnd beßert die nach ordens recht demudiclichen, heyßen wir vnsern
bichter zu vns heyme geyn Erbach kommen vnd vor yn fort me keyn gods
recht dun als lange bit soliche vbermudikeyt ordeliche gebeßert werde. Item
gebieden wir der aptissen daz sie keyner vrlaup gebe vß dem clöister an
redeliche orsache, vnd sali auch die aptissen nach gestelteniß yre Sachen dar
vmb sie orlaup nemen vß zu faren, den junffrauwen yr zyt zu redelichkeit
prüften vnd setzen widder in zu kommen. Vnd were iß sache daz eynche jun-
ffrauwe vbir soliche yre gesatzte zyt von ir aptissen lenger vßbliebe an orlaup,
heyßen wir die aptissen soliche beßern als eyn abtrünnige nonne nach des
ordens gesetze. Item gebieden wir daz die junffrauwen die orlaup nemen vß
dem clöister zu yren frunden ader zu andern yren Sachen, daz die als in dem
clöister also auch vßwendig des cloisters yre wyeln off dragen, dan sie da
von beide lone nemo von gode vnd loip von dem menschen, welche aber
mit freuell solichs nit dun enwolde, heißen wir die eptissen dz sie solicher
keynen orlaup geben sulle vnd dar zu vmb versmeheniß vnsers gebods hert-
lichen straiffen. Item verbieden wir by der penen der vngehorsamkeit daz
keyn junffrauwe sunderlich gespreche habe mit mans personen, sie syen geist-
liche oder werntliche, an sunderlichen oder heymelichen steden, da vß man
keyn gud gemerken mag. welche hier in bruchig funden wurde, setzen wir
off eyn dag zu fasten zu waßer vnd brode. Item dz alle clage vnd mur-
murunge des vorgerurten vnsers gebots von den junffrauwen enthaben werde,
heißen wir vnd gebieden der aptissen, daz sie ir husgesinde abents nach dem
abenteßen zitlichn von yrem huse laß geen vnd nach dem ymß fortme abents
keyn geseße mit yne enhabe. Vnd were iß dz eynche von den junffrauwen
dar affter keynen von yrem gesinde in zöge oder off hielde, heißen wir die
dar vmb hertlichii straiffen vnd yre yr phrunde eynen dag abe brechen.
— 43 —
Item verbieden wir by der penen des ordens dar vber gesatzt, daz keyn
junffrauwe keynen mentschen, in welchem staid daz sy, keyn kint vß dem
dauff heben, want daz hertlich in vnserm orden verboden ist. Item verbieden
wir daz keyn junffrauwe fleisch eße vßwendig des siechhuß an sunderliche
laube der eptissen. welche dar widder dede, setzen wir off zu penen eynen
ganczen mand an fleiß zu syn. Vnd besunderlich daz keyn junffrauwe fleisch
eß von dem sundag an septuagesla mit zu den heiigen oistern. welche heer
widder dede, als manchen dag sie breche in der zyt, als manchen dag sali
sie nach der heiigen oisterlichen zyt sin an fleisch. Item verbieden wir der
Aptissen daz sie keyner junffrauwen orlaup gebe vor die porte von dem son-
dage septuagesla vnd dry wochen dar nach, daz ist mit inuocatur, want
werntliche lüde da von ergerunge nement vnd auch daz den junffrauwen
wenig notzs brengit. Item vedammen wir alle vnordeliche kleidunge vnd
werntlichen glantze an cappen, rantzen, lyne wait, vnordelichen prisen an pater-
nostef, fingerlin, vnd heißen die aptissen, an welcher sie soliche findet, daz sie
daz geweldeclichen neme vnd die dar vmb hertliche straiffe l). Item gebieden
wir der aptissen vnd priorissen daz sie wair nemen daz daz schlaffhuß zyt-
liche nach complete beschloßen werde, vnd welche junffrauwe dar affter da
von bliebe, die heißen wir dar vmb hertliche straiffen. vnd wollen ,auch daz
die junffrauwen nit gedeilt als mit heer off beiden schlaffhusern ligen, sonder
nach vnser ordenierung all by eynander off dem obersten schlaffhuse ligen.
nach dem auch vnser heiiger regell ....
Zu dem lesten begeren wir daz die junffrauwen vnder eynander friedelich
sin vnd keyn die ander vbergebe . . . '. 2) meyne, die heißen wir abe scheiden
vor den conuent, vnd sal der bichter vor yre dry misse dun waßer
vnd broit eßen also lange bit daz sie soliche vnfredelichkeyt abestelt. Dise
kart wollen wir zu vier zyden in dem jair gelesen werden, off daz sich
keyne von vnwißenheit möge entschuldigen. Datum primo die et loco q*b9
supra 3).
I ) Von Item (Z. 13) — straiffe ausgestrichen , dafür am Rande einige unleserliche Worte
von später Hand i) hier sind 1 — 2 Zeilen unlesbar, da das Pergamentblatt zwischen Quaiernio 1
und 2 der Handschrift durchgellt 3) die folgende Zeile, und damit der Schluss der Urkunde
abgeschnitten.
44
Anmerkungen.
i, i uers ; ähnlich ruen 2, 14 = mhd. ruowen, und 14, 7. 24, 16 = mhd.
riuwen; auch berunisses 16, 2. — 1, 2 irwuUit. Für zw wird in der Regel zwar
geschrieben, vgl. noch 2, 29. 3, 5. n. 24. 4, 27. 5, 18. 8. 3. 8. 18. 24. 10, 9.
n, 12. 13, 21. 16, Ueberschr. 20, 2. 23, 18. 24, 25. 30, 20. 32, 20. 36, 28, 39, 1;
zweimal wo in gewogen 28, 30, ivogliche 31, 21, einmal Z'<? in gevonden 33, 9.
Seltener ist wo für z><?: worte(n) 6, 15. 8, 1. 10. 10, 3. 13, 3, worzvare 36, 1,
zvordenken 37, 3, zvorwert 39, 22. Auch einfaches zw für wo: zugewrffen 5, 25.
Sonst werden noch bisweilen von und zy«« verwechselt: w an im von 6, 11. 11, 22,
van 9, 5. 13, 23, vanl 1,14 für w«». Auch die wenigen sonstigen zv für v und z>
für w werden wol nur Schreibversehen sein. — 1, 3 knmment. Diese Formen sind
nur im Anfang belegt, 1, 5. 17 (2). 19. 20 (2). Eine 1. Plur. auf -nt: vernement wir
2, 14. — 1, 11 zu gehorsame; vgl. die ungehorsam schaf 4, 9, licham(e) Dat.
Acc. 3, 6. 6, 24. 28, 23. 34, 7 u. ä. — 2, 3 lespen; ebenso stets berespen 4, 15.
3.1. s, 1. 7. 14, 18. 16, 27. 17, 1. 18, 30. 24, 12. 26, 28. 33, 16. 35, 17. 36, 30.
38, 11. 15. 39, 2. 3. — 2, 3 inkein noch 6, 23. 14, 4; tüchein 4, 19. — 2, 8.
zeuget war statt zuget zu schreiben, weil die BR. nur dieses (übrigens im allgemeinen
specifisch westdeutsche) Wort statt zeigen anwendet: 2, 15. 4, 12. 32. 9, 1. 16. 27.
11, 24. 32. 13,- 3. 33, 16. 39, 20. Doch muß zeigen daneben in der Mundart be-
standen haben, denn nur aus der Parallele zeigen : zeugen kann ich mir Formen wie
zeuchene 15, 3, geneugetim 13, 5 erklären (anders Weinhold § 124). — 2, 21
danne = wan 8, 17. 12, 26. 14, 16. 15, 5. 16, 16. 18, 1. 21, 12. 27, 28, dann
12, 17, dan 13, 2. 18, 12. 24, 24. — 2, 26 hin abe — 'hiervon' noch 36, 12,
hyn abe 18, 27; ebenso dan abe 10, 30. 33, 4. 8. 36, 6, 38, 10, zu an abe 35, 14
(vgl. auch 22, 13 und nirgen abe 21, 16). Diese Bildungen sind für die rheinischen
Mundarten charakteristisch und in den Urkunden häufig belegt (z.B. dan abe Höfer II, 2 23.
WenckI, 162, dan aue Lac.II, 572. 1065 f., danie) afL&c. III, 400, 432. Güntherlll,
223- 593- 6l9 etc.). Mehrere Belege bietet Eschenburg's Hs. des Morolf, z. B. im
Spruchgedicht hin abe 102, dan abe 251. — 2, 28 cimmereth; wegen des Ai vgl.
6, 18. 15, 9. 13. 16, 13. 17, 23. 18, 2. 19, 11. 22, 11. 17. 30, 26. — 3, 23 du
— 45 —
statt di ist selten, 4, 32. 15, 11. 17, 25. — 3, 30 jungerseht) noch 3, 30. 31. 4, 11.
14. 6, 8 etc.; ebenso hirdersen 4, 2, meistersen 6, 9, murmelersen 7, 5, achter-
sprechersen 7, 5, kelncrscn 17, Ueberschr. 25. 19, 24. 20, 3, 29. 21, 26,
wochenersen 20, 5. 8. 21, 17 neben meisteren 4, 32. 8, 9. 20. 9, 7. 9. 11, 32.
35, 9 und seligeren 40, 12. 23. — 3, 32 (Note 6) lies me'ster- statt me1ster. —
4, 3 vernumstigin ; so stets, s. 5, 6. 17. 11, 3. 34, 28. — 4, 17 Ä /^feA? für du
hazte (Weinhold § 402); vgl. du dedes 11, 9, seges du 4, 19, neben du sege 4, 18.
— 5, 13 gcischct; dagegen heischen 21, 14, heyschen 34, 23. — 6, 9 rethe; vgl.
bigithe 12, 6. — 6, 18 ockert noch 6, 18. 21, 12. 20. 24, 32. 38, 24. Das Wort ist
(in Westdeutschland wenigstens) specifisch für Hessen-Nassau, wo es auch jetzt noch
gebräuchlich ist, Vilmar , Idiotikon 290, Kehrein, Volkssprache in Nassaul, 37.
Südlich vom Main ist es bezeugt für Otterburg, Frey und Remling458, und Rodenbach
bei Kaiserslautern oder bei Göllheim, Weist. V, 625. — 8, 6 alsus so/ich noch 31,6.
36, 17. Dazu vgl. so sulch Rössel S. 914, als sulchin Baur III, 1152, ase sulcli
Höfer II, 123, also sulicli'La.c.ll, 537.542. 572. — 9,3 dorechtigcn ist nach dem Lat.
in dornechtigen zu bessern. — 13, 1 willet nur hier; sonst lautet die 3. Sg. wil
22, 13. 24, 13. 36, 31 oder wilt 14, 18. 15,11. 17,3- 38, 5, auch wylle sie 33, 18;
die 2. Sg. immer wilt 2, 2. 6, 23 etc. — 15, 11 geswcglichcr für gesweslicher;
derselbe Fehler 16, 14. 28, 9. An einen Lautübergang kann ich hier ebenso wenig
denken als bei -slaste für slahte 19, 16. 30, 24. — 17, 6. 22 uzscheiungen. Ist das
Fehlen des d mehr als zufällig? — 17, 23 antiuir; vgl. anhueder(re) 23, 9. 36, 16.
39, 7 neben entweder 32, 22. — 19, 13 otmutkeide ist sicher in otmudge zu bessern.
— 20, 21 uberenzikcidc , dazu oberenzekeit 21, 28. 33, 14, uberenzig 30, 14.
Das Wort uberenzig ist specifisch westmitteldeutsch. Urkundlich kann .ich es belegen
für Kreuznach (Arch. f. hess. Gesch. XV, 276), Grünenberg (Diefenbach-Wülcker
5. 879). Speyer (Höfer II, 35), Mettlach (Weist. II, 6r), sowie uberenze Adv. für
Cöln (Lac. III, 170). Für Aschaffenburg bezeugt das Wort Schindler I2, 148, für
Hessen Vilmar, Idiotikon 420. Uberenzig ist übrigens gewiss nicht Compositum, son-
dern Ableitung von einem Verbum *uberenzen ■=. got. *ufaratjan in ufarassus, —
21, 15 icclicheme für etlicheme. Dieselbe Vertauschung noch 28, 18. 36, 4.
39, 3; die Vorlage wird eclicheme gehabt haben. Uebergang von unbetontem
-entlich in -enclich ist in den rheinischen Urkunden ja sehr geläufig (vgl. Weinhold
§ 218). — 22, 24 mildewoche; ich kenne diese Form sonst nicht. Ist es bloss
Schreibfehler? — 23, 4 vollenbringen nur hier; sonst, 1, 8. 3, n. 6, 23 etc., natür-
lich nur brengen. — 30, 7 varben; vgl. -pulbe 30, 18. — 34, 24 gen für geben
(F. Vogt, Salman und Morolf C) ist rheinfränkisch sehr spärlich belegt; ich
— 46 —
finde in Otterburg ein gent, Frey und Remling 458. — 38, 16 funfzegisten
hätte vielleicht nicht in funfzehinden corrigirt werden sollen, da es nach S. XI
als fnnfze(g)isten gefasst werden kann. Zu den von K. Schröder, Germ. XV, 423
und Weinhold §338 aus der Mainzer Gegend und der Wetterau beigebrachten Belegen
kann ich noch nuntzehisten Langenselbold , Weist. III, 422, und achtzehensten
Büdingen, ib. III, 432, nachtragen.
L. Fr. Fues'sche Buchdruckerei (Fues & Kostenbader), Tübingen.
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